Nach Minusrekord: Der Aufschwung bringt die Inflation zurück

Nach Minusrekord
Der Aufschwung bringt die Inflation zurück

Die Teuerung in der Euro-Zone nimmt wieder Fahrt auf. Steigende Lebensmittel- und Rohstoffpreise sind dabei nicht nur für Verbraucher ein Problem, auch Anleger müssen anders kalkulieren. Bald könnten auch noch die Löhne die Kosten treiben - und Deutschland zu Europas Inflationsmotor werden.
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DÜSSELDORF. Die nahezu preisstabilen Zeiten sind vorbei: Für den Winter sind Inflationsraten von über zwei Prozent für die Euro-Zone in Sicht. Das sagt der Handelsblatt-RBS Inflation Live Index voraus, den die britische Bank RBS für das Handelsblatt berechnet. "Es ist durchaus möglich, dass wir in der Euro-Zone auch im Jahresdurchschnitt 2011 Inflationsraten oberhalb von zwei Prozent haben werden", warnt RBS-Ökonom Nick Matthews. Die Europäische Zentralbank definiert eine Steigerung von knapp zwei Prozent als Preisstabilität.

Kurzfristig lässt sich der Anstieg mit steigenden Rohstoffpreisen und staatlichen Steuern und Gebühren erklären. Allein der Anstieg der Lebensmittelpreise als Folge verteuerter Agrarrohstoffe werde die Inflationsrate in den nächsten zwölf Monaten um 0,6 Prozentpunkte anheben, kalkuliert RBS. Mittelfristig erwarten viele Ökonomen weiter steigende Inflationsraten als Folge höherer Löhne.

Im Zuge der globalen Rezession war die Inflationsrate in der Euro-Zone von ihrem Höchststand von vier Prozent im Juli 2008 auf den Minusrekord von 0,6 Prozent im Juli 2009 gesunken. Seither ist sie langsam, aber sicher gestiegen, bis sie im Juli 2010 den Wert von 1,7 Prozent erreichte. In Deutschland lag sie zuletzt mit 1,2 Prozent deutlich darunter.

Dass es in den kommenden Monaten weiter aufwärtsgeht, erwartet auch die Deutsche Bundesbank. Der Anstieg werde aber moderat bleiben, schreibt sie in ihrem gestern veröffentlichten Monatsbericht. Wie sich der Druck aufbaut, zeigt sich bei den deutschen Erzeugerpreisen: Hier schoss die Inflationsrate im Juli von 1,7 auf 3,7 Prozent hoch.

Deutschland als Inflationsmotor?

Deutschland, jetzt schon Wachstumsmotor in Europa, könnte sich bald auch zum Inflationsmotor entwickeln. "Für die Zeit ab 2012 muss sich die deutsche Wirtschaft auf einen stärkeren Lohnkostenschub einstellen", sagt Eckart Tuchtfeld von der Commerzbank. Bisher halte die niedrige Auslastung der Industriekapazitäten die Inflation europaweit im Zaum. Doch wenn sich der deutsche Aufschwung fortsetze, würden bei schrumpfender Bevölkerung bald die Arbeitskräfte knapp. Das biete den Gewerkschaften die Chance, nach Jahren der Zurückhaltung höhere Tarifabschlüsse durchzusetzen. Entsprechende Forderungen werden bereits laut. "Es ist eine Frage des Wann und nicht des Ob, dass mittelfristig das Thema Inflation wieder auf die Tagesordnung kommt", sagt Tuchtfeld.

Für Joachim Fels, den Chefvolkswirt der Investmentbank Morgan Stanley, ist aus anderen Gründen klar, dass an höherer Inflation mittelfristig kein Weg vorbeiführt. "Die Schuldenkrise geht weiter, auch wenn die Märkte ihren Blick momentan abgewendet haben", warnt er. "Diese Krise ist nur mit höherer Inflation zu bewältigen." Um längere Zeit einen entschlossenen Sparkurs zu fahren, seien die Regierungen der großen Länder zu schwach.

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  • Die inflation wird kommen, ob ein Lohnanstieg erfolgt oder nicht. deutschland wird die inflation importieren, was im moment ja schon geschieht. Statt dies mitzuteilen, steigern sich die "Ökonomen" zur skurrilen Lobpreisung der deutschen konjunktur. Es muß den Leuten gesagt werden, daß eine nicht gekannte Teuerungswelle bevorsteht, anstatt gebetsmühlenartig die Konjunktur hochzujubeln. Es muß auch gesagt werden, warum diese inflation kommt: Wir werden so für die Schuldenmacherei und die angeblichen "Rettungsschirme" etc. bezahlen, und das ist auch völlig korrekt so. Jetzt gibts nichts mehr hinauszuschieben, jetzt wird die zeche fällig. ich bezweifle, daß es bei 5% inflation bleiben wird. Eine jährliche Entwertung von 5% ist viel zuwenig, 10% müssen es mindestens sein, um eine wirkung zu erzielen. dreht sich die Schuldenspirale weiter, bekommen wir galoppierende inflation ausgehend von den USA. Und dies wird zu uns überschwappen, ob wir es wollen oder nicht. Die USA geben den Weg der inflation vor- etwas anderes bleibt auch nicht, nachdem die Politik zu schwach ist, einen Sparkurs einzuschlagen. Nimmt man alle Kostensteigerungen in 2011 zusammen, so werden wir in Deutschland deutlich an Kaufkraft einbüßen. Der von den "Ökonomen" propagierte "starke Konsumaufschwung" wird somit allenfalls in der Phantasie stattfinden. Dieses Jahr wird es im gebälk knirschen, Aufschwung hin oder her.

  • ich muss Finanznews leider Recht geben. :-( Auch wenn wir es nicht wahrhaben wollen, so kann eine Geldentwertung durchaus kommen. Habe ich gerade entdeckt dazu: http://www.finanznews-123.de/geldentwertung-kommt-schleichend/

  • Wer glaubt, die inflation sei noch aufzuhalten, der lügt sich in die Tasche, genauso der, der glaubt, die Finanz- und Wirtschaftskrise sei schon ausgestanden...

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