Nachgefragt: Matthias Wesseling
Anlagezertifikate: "Der Boom wird anhalten"

Vier Fragen zum Thema Zertifikate an Matthias Wesseling, Leiter der Gelsenkirchener Sparkassen Vermögensmanagement GmbH
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Die Kurse an den Börsen bewegen sich derzeit seitwärts. Einige Indizes verlieren sogar leicht. Welche Produkte sind in einer solchen Situation für den Anleger interessant?

Neben den Discountzertifikaten haben sich vor allem Bonuszertifikate als sinnvolle Alternative für den Anleger etabliert. Der Vorteil dieser Produkte ist, dass sie das Depot nicht nur gegen Kursrückschläge von über 20 Prozent absichern. Der Anleger profitiert auch, falls die Stimmung am Markt dreht, zu 100 Prozent von steigenden Kursen.

Bonuszertifikate sind noch nicht einmal zwei Jahre auf dem Markt. Seitdem ist ihre Zahl rasant gestiegen. Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Noch dominieren die Discountzertifikate den Markt. Bisher wurden rund 11 000 verschiedene Discounter aufgelegt. Diese werden allerdings auch schon einige Jahre länger angeboten. Insgesamt gibt es circa 34 000 strukturierte Anlagemöglichkeiten – inklusive aller Hebelprodukte. Der Anteil der Bonuszertifikate wird aber mit Sicherheit steigen. Vor allem, wenn auch die Privatanleger vermehrt auf diese innovativen Produkte zurückgreifen.

Worauf müssen Anleger bei der Auswahl achten?

Entscheidend ist, sich bereits im Vorfeld über das persönliche Sicherheitsbedürfnis bewusst zu werden. Da wir momentan eher pessimistisch für die meisten Märkte gestimmt sind, empfehlen wir einen Puffer von mindestens 30 Prozent. Das bedeutet, dass die Bonusschwelle rund 30 Prozent unter dem Kurs des jeweiligen Basiswert beim Kauf des Zertifikats liegen sollte. Allerdings gilt auch: Je größer der Puffer, desto geringer der Bonus. Daher muss der Anleger seine Ausrichtung gut überdenken. Erst danach sollten passende Zertifikate gesucht werden, die dem persönlichen Risikoprofil entsprechen.

Wo lauern Gefahren für den Anleger, die auf dem ersten Blick nicht zu erkennen sind?

Der Teufel steckt wie immer im Detail. Anleger sollten die Emissionsprospekte genau studieren. Denn einige Bonuszertifikate verlieren den Bonus beispielsweise schon, wenn der jeweilige Basiswert im Intraday-Handel die Bonusschwelle berührt oder unterschreitet. Zwar sind diese Unterschiede oftmals nicht gravierend. Denn wenn die Bonusschwelle einmal unterschritten wird, ist oft zu erwarten, dass sich dieser Trend fortsetzt und auch Zertifikate, für die nur Schlusskurse zählen, den Bonus verlieren. Außerdem werden gerade in jüngster Zeit immer mehr abgewandelte Bonuszertifikate emittiert. Diese Entwicklung ist zwar interessant. Einsteiger sollten zunächst jedoch auf die klassischen Bonus-Produkte setzen, da diese leichter zu verstehen sind.

Die Fragen stellte Patrick Mönnighoff

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