Nachgerechnet
Hohe Rendite? Das glauben Sie ...

Die amerikanische Großbank Morgan Stanley lockt Kunden mit einer ansehnlichen Rendite. Anleger sollten sich nichts vormachen. Der hohe Zins ist mit einem ebenso hohem Risiko verbunden. Möglicherweise ist es noch höher.
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Die US-Investmentbank Morgan Stanley bietet Anlegern in der gegenwärtigen Zinswüste äußerst interessante Renditen. Eine 3,4-Prozent-Zinsfloater-Anleihe etwa mit fünfjähriger Laufzeit (WKN: MS0KHE) verspricht 3,4 Prozent Mindestzins pro Jahr.

Das ist ziemlich viel, wenn man bedenkt, dass Festgeld derzeit bei gleicher Laufzeit im Schnitt nur 2,2 Prozent bringt und eine fünfjährige Bundesanleihe gar nur 0,3 Prozent abwirft. Sparer können die Anleihe in allen Banken und Sparkassen nachfragen. Mit dem Kauf geben sie Morgan Stanley einen Kredit.

Morgan Stanley, das ist eine der ganz großen Investmentbanken an der Wall Street. Allerdings trauen Kreditgeber ihr weniger als anderen Banken. Die Ratingagentur Moody's hat gerade die Kreditwürdigkeit von Morgan Stanley um zwei Stufen herabgestuft, auf "Baa1". Damit ist Morgan Stanley immer noch eine relativ sichere Anlage, sofern sich das wirtschaftliche Umfeld nicht drastisch verschlechtert. Die Bank liegt mit ihrer Note noch deutlich über dem spekulativen Bereich. Doch Konkurrent JP Morgan hat eine um drei Stufen bessere Note.

Auf dem Kreditmarkt zahlt Morgan Stanley hohe Aufschläge

Die eher mäßige Bonität im Vergleich zu anderen Geldinstituten muss Morgan Stanley auf den Kreditmärkten mit einem ansehnlichen Aufschlag bezahlen. Auf der Webseite des Deutschen Derivateverbands ist unter dem Stichwort "Transparenz" eine Liste, was eine Kreditausfallversicherung (Credit Default Swap, CDS) bei einzelnen Emittenten kostet: Will sich ein Kreditgeber gegen eine Pleite von Morgan Stanley versichern, wäre eine Versicherungsprämie von 3,6 Prozent pro Jahr auf die Kreditsumme fällig. Das ist fast dreimal mehr, als die Versicherung eines Kredits an den Konkurrenten JP Morgan (1,3 Prozent) kosten würde. Nur bei der spanischen Banco Santander (4,3 Prozent) liegt die Ausfallprämie höher. Commerzbank, HSH Nordbank oder Natixis, alle kommen laut Liste mit niedrigeren Ausfallversicherungssätzen davon.

3,6 Prozent Aufschlag nur für die Kreditabsicherung? Das ist ja schon mehr als die 3,4 Prozent, die ein Kleinanleger für sein Investment bei Morgan Stanley bekommt. So gesehen ist die Verzinsung der Anleihe nicht gerade umwerfend.

Sasa Perovic von der Ratingagentur Scope rechnet vor: Würde Morgan Stanley bei einer anderen Bank Geld aufnehmen, müsste das US-Institut deutlich mehr für den Kredit zahlen: Eine andere Bank als Kreditgeber würde zu den 3,6 Prozent Kreditversicherung noch die 0,3 Prozent dazurechnen, die eine praktisch risikofreie Bundesanleihe dieser Laufzeit bringt. Und dann erst käme noch die Marge dazu, die den Kredit für den Verleiher lohnend macht.

Da wäre ein institutioneller Kreditgeber mit seiner Kalkulation schnell bei fünf Prozent oder mehr. Für Morgan Stanley sind Kleinsparer-Anleihen also ein sehr günstiger Weg, sich Geld zu besorgen.

Nun suggeriert der Name "Zinsfloater", dass die Anleihe mehr abwirft, wenn die Zinsen steigen. Doch die Wahrscheinlichkeit, dass der Anleger mehr sieht als 3,4 Prozent, ist gering. Im Produktinformationsblatt steht, dass Morgan Stanley den Zins anpasst, sollte der Zwölf-Monats-Euribor über 3,4 Prozent steigen. So hoch war dieser Interbankensatz schon seit Jahren nicht mehr. Derzeit liegt er bei rund einem Prozent, Tendenz fallend.

Im Fall einer Pleite ist die Einlage nicht gesichert.

Übrigens reichen auch die Renditen anderer Produkte von Morgan Stanley, wie der Inflationsanleihe (WKN: MS0KHD) oder der zuletzt begebenen Stufenzinsanleihe (WKN: MS0KHH) nicht ganz an die Versicherungsprämien für einen Kreditausfall heran, die institutionelle Kreditgeber verlangen. Bei allen Produkten könnte zudem auch noch ein Ausgabeaufschlag von einem Prozent die Rendite des Sparers schmälern.

Ich persönlich würde so eine Anleihe nur als Beimischung für das Depot erwägen. Sollte Morgan Stanley pleitegehen, was nicht zu erwarten ist, ist die Einlage nicht gesichert. Das Geld wäre - ähnlich wie es Lehman-Anlegern ergangen ist - einfach futsch.

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  • Die Bewertungen der Assets aller großen Investmentbanken macht es schwer zu sagen, wie es um sie wirklich bestellt ist. Es könnten erhebliche Risiken lauern, deren Abschreibungen zur Zwangsverstaatlichung oder zur Pleite führen. In beiden Fällen hätten die Anleger schlechte Karten.
    Sehr schön zu sehen ist jedoch: Kleinanleger werden auch weiterhin maximal benachteiligt.

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