Nachgerechnet
Mensch-Ärgere-Dich-nicht mit Zertifikaten

Ein populäres Garantie-Zertifikat  macht den Zins von zehn Aktienkursen abhängig. Das geht häufig schief.
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Die Zertifikate mit dem schicken Namen „Vario Zins Garant“ verkaufen sich bestens in den Filialen der Raiffeisen- und Volksbanken. Das Spitzeninstiut der Genossen, die DZ-Bank, legt regelmäßig neue Versionen auf und zählt den Typ  zu den „Dauerlieblingen der Kunden“. Noch bis Mittwoch etwa konnten Anleger das „Vario Zins Garant D 06/11“ (WKN: AK0AE5) zeichnen. Anleger können damit von steigenden Aktienkursen profitieren und erhalten am Ende der Laufzeit garantiert ihren Einsatz zurück. Es winken bis zu 5,75 Prozent Zinsen im Jahr.

Klingt verlockend, doch das mit den 5,75 Prozent wird wohl häufig nichts. Denn diesen Zins gibt es nur, wenn zehn sehr unterschiedliche Aktien Wohlverhalten zeigen. Nämlich Adidas, BNP Paribas, Dell, Ebay, Ericsson, Pfizer, Rio Tinto, Schlumberger, Vivendi und Vodafone.

Das Produkt funktioniert so ein bisschen wie „Mensch-Ärgere-Dich-Nicht“. Das Spiel geht im Fall des neuen Zertifikats am 15. Juni los, der Schlusskurs der Aktien an diesem Tag setzt dann den Maßstab über die gesamte Laufzeit von fünf Jahren. An zwölf Terminen im Jahr – immer zum elften des Monats – wird die prozentuale Veränderung jedes Kurses zum Starttag beobachtet.

Verliert nur eine Aktie mehr als 25 Prozent (die erste Barriere), geht für das laufende Jahr der Zins des Zertifikats auf drei Prozent runter. Und verliert nur eine Aktie an einem einzigen Beobachtungstag mehr als 40 Prozent, schrumpft der Zins in dem betreffenden Jahr auf nur noch 1,5 Prozent.

Da braucht man schon Geschick im Umgang mit Excel-Tabellen und viel Zeit, um so viele Kurse im Blick zu behalten. Die Aktien sind schließlich an den unterschiedlichsten Börsen von Frankfurt bis New York und Stockholm notiert. In vier verschiedenen Währungen. Zur Erinnerung: Es ist ein Produkt für Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken.

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Mensch-Ärgere-Dich-nicht mit Zertifikaten

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Das hat nichts mit Risikostreuung zu tun

Kommentare zu " Nachgerechnet: Mensch-Ärgere-Dich-nicht mit Zertifikaten"

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  • also, gut durch die Finanzkrise gekommen ? Na ja. Die DZ ist ja massiv ins Schlingern geraten und konnte nur durch eine Kapitalerhöhung (die so manchem Volksbanker die Zornesröte ins Gesicht trieb) gerettet werden. War ja auch der Grund, warum die Fusion mit der WGZ abgeblasen wurde. Keine Volksbank in NRW wollte sich so eine schlingernde Black-Box anlachen.<br/>Bezüglich der einschätzung der Kundenstruktur soll das wohl heissen, dass die Kunden der VR-Banken tatsächlich sehr konservativ sind und ihr Sparbuch lieben bzw. Anleihen. Viele von Ihnen werden die komplexen Strukturen der zertifikate nicht verstehen und wollen das auch nicht. Dieses ganze durch OTC-Optionen im Hintergrund zusammengebaute Konstrukt ist doch tatsächlich nur für die Banker ein Gewinn (Agio, wahrscheinlich noch Innenprovision, der Bau dieses Konstruktes kostet auch Geld etc etc)

  • Natürlich ist das Produkt Schrott. Habe ich eine positive Einstellung zum Aktienmarkt, dann ist das Produkt mit einer max. Rendite vor kosten von 5,75% nicht interessant. Rechne ich mit durchwachsenen oder schlechten Kursen, dann weiss ich doch, das es so gut wie keine Rendite gibt. Dann sollte ich eine Anleihe kaufen oder Tagesgeld (aktuell rund 2,5% - natürlich nicht bei der Volksbank) nehmen. Die Kunden sehen nur die 5,75% Rendite und das Garantieversprechen. Hört sich nach einem sicheren Geschäft an. Ist es aber nur für die Volksbanken (nicht nur das Agio! Es gibt meist auch noch eine versteckte Innenprovision).

  • Zitat: Zur Erinnerung: Es ist ein Produkt für Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken. Welchen Schluss darf man aus dieser Aussage der Autorin treffen? Kunden dieser Bankengruppe sind geistig nicht in der Lage Finanzprodukte zu verstehen? Oder sind es ländlich lebende Bürger, die außer einem Sparbuch nichts anderes kennen? Zertifikate sind Schuldverschreibungen einer Bank. Daher ist auch die Bonität der Bank wichtig. Zertifikate der DZ Bank unterliegen der Einlagensicherung der Volks- und Raiffeisenbanken. Diese Bankengruppe ist m.E. sehr gut durch die Bankenkrise gekommen. Im Vergleich zu den großen öffentlich rechtlichen Landesbanken bzw. einigen Großbanken habe ich im Verlauf der letzten drei Jahre wesentlich weniger negative Schlagzeilen gelesen. Im Jahr 2003 hatte ich auch solch ein Zertifikat mit dieser Anlagestruktur und war sehr zufrieden mit dem Ertrag. Wie die zukünftigen Ertragschancen sind kann niemand genau beantworten. Der mündige Kunde darf sich mit den gesetzlich geregelten Produktinformationen informieren und entscheidet dann, ob er neben der Kapitalgarantie das Risiko der Zinserträge tragen möchte. Die Autorin scheint eine höhere Risikoneigung zu haben und damit verbunden eine höhere Ertragserwartung. Sie sollte die Anlageform lieber aus neutraler Position beurteilen. Alternativ gibt es ja auch tolle (?) Festgelder z.B. bei der Bank of Scotland (war mal Royal Bank of Scotland) - diese Bank genießt die staatliche Unterstützung in Britanien mit ein paar Milliarden um weiter zu überleben !

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