Nachgerechnet
Wenn Anleger gegen Profis wetten

Ein Garantie-Zertifikat auf Rohöl kann bis zu zwölf Prozent Rendite bringen. Doch der Anleger wettet damit gegen die Profis. Wann die Wette aufgeht.
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Düsseldorf"Investieren Sie in die Schätze der Erde“, werben Sparkassen in einem Infoblatt für eine Öl-Protect-Anleihe, aufgelegt von der WestLB (WKN:WLB3NV). Wer glaubt, dass der Ölpreis steigt, kann mit dem Wertpapier nach fünf Jahren ein Plus von bis zu 80 Prozent einstreichen; vorausgesetzt der Ölpreis erklimmt neue Höchststände. Das wäre eine jährliche Rendite von mehr als zwölf Prozent. Geht der Preis für den begehrten Schmierstoff aber in den Keller, erhält der Sparer garantiert sein Kapital zurück – kein schlechtes Geschäft also, wird mancher Anleger denken.

Trotzdem lohnt ein genauerer Blick auf den Ölpreis. Das Zertifikat bezieht sich auf den Preis für kurzfristige Terminkontrakte auf Brentöl in Dollar. Anfang des Monats lag er bei rund 117 Dollar pro Fass; er ist in der ersten Jahreshälfte kräftig gestiegen. Öl ist auch im längeren Vergleich ziemlich teuer. Nur im Sommer 2008 lag der Preis noch höher.

Rund 117 Dollar bezahlt der Sparkassen-Kunde jetzt, wenn er das Zertifikat kauft. Die Bank kann sich das Öl dagegen deutlich billiger sichern. Sie muss das Geld der Sparer ja erst in fünf Jahren zurückgeben. Es reicht, wenn sich die WestLB das Öl am Terminmarkt besorgt und es dann zum Fälligkeitsdatum des Zertifikats zu aktuellen Preisen wieder verkauft.

Und siehe da, zum September 2016 kostet es an den Terminmärkten heute nur 105 Dollar. Ein Preisunterschied von zwölf Dollar. Mit dieser Preisdifferenz kann die WestLB gut arbeiten. Sie bekommt den Differenzbetrag praktisch fünf Jahre lang zum Nulltarif geliehen. Sie muss damit zwar alle möglichen Absicherungsgeschäfte bezahlen, aber es dürfte noch genug übrig bleiben. Diese Marktlage, das Öl ist bei langjährigen Terminkontrakten billiger als heute, macht so ein Ölzertifikat mit Garantie für die Bank erst rentabel.

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Die Profis sind überzeugt, dass es abwärts geht

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  • 40 EUR von 1.000 EUR sind 4 % - auf 5 Jahre verteilt = 0,8 % garantierte Rendite für die Bank. Das ist nicht gerade viel - zumal die Kosten für die Buchhaltung etc. noch fehlen.
    Der Kunde verzichtet mit dem Kauf auf eine Verzinsung von ca. 1,5 % p. a.; also insgesamt ca. 8 % = 80 EUR.
    Was der Kunde für die Verwahrung des Zertifikats im Depot zahlen muss, geht aus dem Artikel nicht hervor.
    In den Medien wird immer wieder betont, dass Erdöl ein "endlicher Rohstoff" ist, der irgendwann aufgebraucht ist und dass die Preise eigentlich nur nach oben gehen können. Der kleine Investor hofft - und befürchtet zugleich - einen hohen Ölpreis in 5 Jahren; aber mit dieser Geldanlage kann er bei einem hohen Ölpreis zumindest eine gute Rendite erzielen; auch wenn er aufgrund des hohen Ölpreises mehr für das Benzin/Heizöl zahlen muss.
    Aufgrund des derzeit niedrigen Zinsniveaus halte ich diese Geldanlage gar nicht mal für soooo schlecht; davon ausgehend, dass der Emittent in 5 Jahren noch zahlungsfähig ist.

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