Nachhaltigkeit
Öko-Zertifikate im Minus

Nachhaltige Geldanlagen schützen vor dem Börsentief nicht, wie die Aktionäre und Investoren von Solarenergie und Windkraft zu spüren bekommen. Aber Kapitalschutz-Zertifikate können die Verluste eindämmen.
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FrankfurtNachhaltige Geldanlagen können zwar für ein gutes Gewissen sorgen – Schutz vor dem nervenaufreibenden Auf und Ab an der Börse bieten sie aber nicht. Das haben in den vergangenen Monaten nicht nur Aktionäre und Fondsinvestoren zu spüren bekommen. Auch viele Zertifikate, mit denen Anleger gezielt auf Solarenergie und Windkraft oder sozial engagierte Firmen setzen, konnten sich den Verwerfungen an den Märkten nicht entziehen. Denn die Wertentwicklung dieser Produkte orientiert sich an speziellen Nachhaltigkeitsaktienindizes – und die verbuchten zuletzt mehrheitlich Verluste. Ein besonders drastisches Beispiel ist der „Öko-Dax“, der Aktien aus der Branche der erneuerbaren Energien zusammenfasst. Seit Mitte 2007 berechnet die Deutsche Börse den Index, auf den sich mehrere Anlagezertifikate beziehen. Das Öko-Barometer befindet sich seitdem fast ununterbrochen im Rückwärtsgang. Allein in den vergangenen drei Jahren büße es fast die Hälfte seines Wertes ein. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex (Dax) der 30 größten börsennotierten Unternehmen legte im gleichen Zeitraum rund 80 Prozent zu.

In den Angebotspaletten der Zertifikate-Emittenten sind allerdings auch Papiere zu finden, auf die der Kursrückgang ihres Basisindex nicht mit voller Wucht durchgeschlagen hat. Hintergrund: Nur etwa ein Drittel von momentan über 300 verfügbaren Nachhaltigkeitszertifikaten – die sogenannten Indexzertifikate – zeichnen die Entwicklung ihrer Messlatte ein zu eins nach. Daneben gibt es auch Varianten mit Schutzmechanismen, die Verluste eindämmen können – wenn auch auf Kosten der erzielbaren Rendite. Die defensivsten Papiere mit eingebautem Airbag heißen „Kapitalschutz-Zertifikate“ und sind beliebt: „Mit Blick auf die heftigen Turbulenzen an den Finanzmärkten fokussieren sich Privatanleger auch in Bezug auf nachhaltige Anlagen vor allem auf den Sicherheitsaspekt“, sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivateverbands. „Wenn es zu heftigen Sturzflügen an den Börsen kommt, erhält der Anleger – anders als bei Aktien oder Fonds – am Laufzeitende der nachhaltigen Kapitalschutz-Zertifikate zumindest den Nennwert zurück.“ Allerdings sind hier zum einen die Ertragschancen auch besonders stark beschnitten. Und zum anderen können selbst kapitalgeschützte Zertifikate vorübergehend in den roten Bereich rutschen. So hat die BayernLB vor einem Dreivierteljahr ein Kapitalschutz-Produkt auf den Öko-Dax auf den Markt gebracht. Mittlerweile notiert es leicht im Minus. Doch es hat Anleger vor größerem Ungemach bewahrt: Der Referenzindex verlor seitdem fast 40 Prozent.

Die meisten Menschen bringen zwar „Nachhaltigkeit“ vor allem mit erneuerbaren Energien in Verbindung. Allerdings wählen die Anbieter oft einen breiteren Ansatz für ihre Produkte. Solche Zertifikate haben sich in den vergangenen drei Jahren deutlich besser geschlagen als die reinen Öko-Produkte (siehe Tabelle). So bietet die WestLB ein Zertifikat auf den „Euro Stoxx Sustainabililty“ an. In dem Index sind Aktien europäischer Unternehmen zusammengefasst, die nicht nur ökonomische Ziele verfolgen, sondern auch ökologische und soziale Grundsätze.

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Öko-Zertifikate im Minus

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Zertifikat Hypo-Vereinsbank

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