Nebenwerte
Riskante Jagd nach der höchsten Dividende

Im Frühjahr ist für Aktionäre Zahltag, die Dividenden werden ausgeschüttet. Gerade in der zweiten Reihe locken viele Firmen mit hohen Dividenden. Ein neuer Index setzt auf diese Werte. Doch die Strategie hat Schwächen.
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DüsseldorfDas Grundprinzip des neuen Dividendenindex ist gar nicht so neu. Schon im März 2005 legte die Deutsche Börse den DivDax auf. Die Idee: Aus allen 30 Aktien, die in Deutschlands Leitindex Dax vertreten sind, werden die 15 Titel mit der höchsten Dividendenrendite genommen und in einen eigenen Index eingebaut – den „Dividenden-Dax“, kurz DivDax. Die Dividendenrendite wird aus dem Verhältnis von Dividende und aktuellem Aktienkurs berechnet. Je höher sie ist, umso besser „verzinst“ sich das Investment für Aktionäre.

Das gleiche Prinzip gilt jetzt für die jeweils 50 Aktien aus der zweiten und dritten Reihe, die in MDax und SDax enthalten sind. Für deren Dividendenstars hat die Deutsche Börse in der vergangenen Woche den DivMSDax neu aufgelegt. Aus den insgesamt 100 MDax- und SDax-Aktien werden ebenfalls die 15 Papiere mit der höchsten Dividendenrendite ermittelt, aus ihren Kursen wird der DivMSDax errechnet. Damit einzelne Titel den Index nicht zu stark beeinflussen, wird das Gewicht jeder Aktie auf zehn Prozent begrenzt – auch das ist beim DivDax abgeschaut. Ebenso wie eine regelmäßige quartalsweise Anpassung des Anteils anhand der dann aktuellen Marktkapitalisierung.

Nicht nur die Anzahl der im Index vertretenen Titel, auch die Auswahlkriterien hat der DivMSDax vom großen Bruder übernommen. Einmal jährlich im September wird der Index neu zusammengesetzt. Die Kennziffer „Dividendenrendite“ bezieht sich aber nicht auf die zukünftig zu zahlende Ausschüttung der Unternehmen an ihre Aktionäre, sondern auf die zuletzt gezahlte Dividende. Genau dort liegt das Problem: Zwar vermeidet man mit vergangenen, tatsächlich gezahlten Ausschüttungen Unwägbarkeiten, ob die Unternehmen auch tatsächlich den Erwartungen der Analysten nachkommen. „Allerdings ist fraglich, ob die ausgewählten Dividendenstars auch im neuen Jahr zu den besten Zahlern zählen“, sagt Michael Kopmann aus dem Researchteam der DZ Bank. Das unterscheidet DivDax und DivMSDax von anderen Dividendenindizes, die sich an den Erwartungen zukünftige Ausschüttungen orientieren.

Im Moment setzt sich der DivMSDax aus sechs MDax- und neun SDAX–Unternehmen zusammen. Darunter befinden sich so illustre Namen wie Bilfinger Berger, Comdirect oder MLP. Damit liegt der Schwerpunkt auf der dritten Reihe, mit deren Unternehmen laut Analystenschätzungen auch für 2011 und 2012 eine höhere Dividendenrendite erzielbar ist. Für 2011 rechnen sie mit 1,8 Prozent und 1,5 Prozent beim MDax, für 2012 sogar mit 3,7 beziehungsweise 2,78 Prozent. Kopmann ist sogar optimistischer, er geht für das laufende Jahr von 2,4 Prozent beim SDax und 2,2 Prozent beim MDax aus.

Zum Vergleich: Mit Dax-Titel könnten Investoren eine Rendite von 2,8 Prozent (2011) und 6,1 Prozent (2012) erzielen, so die Prognosen der Analysten. Außerdem zeigt eine aktuelle Handelsblatt-Auswertung, dass die großen Konzerne viel profitabler wirtschaften als die kleineren und mittleren und haben die Krise der letzten Jahre längst hinter sich gelassen. Während die Dax-Konzerne im abgelaufenen Jahr zwölf Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2007 verdienten, fehlt den MDax-Firmen noch ein Viertel des Nettogewinns bis zum Spitzenwert von 2007. Den SDax-Unternehmen fehlen sogar noch 70 Prozent.

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