Neue Zertifikate verbriefen komplizierte Derivate – Zielgruppe: Private Anleger
Banken locken mit undurchsichtigen Zinsgeschäften

Die Möglichkeiten für Kleinanleger, auf eine Veränderung der Zinssätze zu spekulieren, werden umfangreicher, aber auch komplexer. Neue Produkte großer Banken setzen dabei nicht mehr nur auf den Trend bei den Kurz- oder Langfristzinsen, sondern auch auf Unterschiede zwischen verschiedenen Terminsätzen.

FRANKFURT/M. Solche komplexen Strategien werden zwar von Rentenhändlern durchaus verwendet, für Privatanleger sind sie jedoch kaum zu durchschauen, warnen Experten. „Ein normaler Kunde kann kaum die Chancen und Risiken dieser Zinsstrategien erkennen“, sagt Martin Stötzel, Vorstand der Vermögensverwaltung Rhein Asset Management.

Seit längerem legt beispielsweise die WestLB regelmäßig Anleihen mit spekulativem Zinstouch für Privatkunden auf. Aktuell läuft die Zeichnungsfrist für ein Papier, dessen Verzinsung ausgehend von 3,75 Prozent jährlich um ein halbes Prozent steigt, so lange der 12-Monats-Euribor unter 3,5 Prozent bleibt (ISIN DE000WLB2061). Der Euribor ist der Zinssatz, zu dem Banken sich gegenseitig Geld leihen. Er wird täglich für verschiedene Laufzeiten festgestellt.

Die UBS und Deutsche Bank haben dagegen vor kurzem Papiere emittiert, deren Wertentwicklung sich am Verlauf von Zinskurven mit unterschiedlichen Fristen orientiert. „Erstmals verbriefen wir damit eine institutionelle Handelsstrategie für den deutschen Markt“, sagt Werner Humpert von UBS.

Die Papiere orientieren sich dabei an den Kursen von Forewards und Swaps. Das sind derivative Geschäfte, die zwischen Banken und großen Investoren abgeschlossen werden, mit denen diese sich gegen Zinsänderungsrisiken absichern.

Die Deutsche Bank etwa zahlt den Käufern ihres Produkts 0,02 Prozent Zinsen für jeden Tag, an dem der 2-Jahres-Swap-Satz mehr als 0,99 Punkte über dem zehnjährigen Satz liegt. Swap-Sätze werden ähnlich wie der Euribor täglich ermittelt. Dabei tauschen zum Beispiel zwei Schuldner ihre unterschiedliche Zinsströme untereinander aus. Beispielsweise könnte eine Bank die Sätze ihre kurzfristig verzinsten Verbindlichkeiten gegen Langfristzinsen tauschen.„Es ist ein Spiel mit der Steigung der Zinsstrukturkurve“, sagt Steffen Scheuble, Derivateexperte der Deutschen Bank. Allerdings auch eines, bei dem Privatanleger leer ausgehen können, wenn sich der Abstand zwischen kurz-und langfristiger Kurve verengt.

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