Neuemissionen
Commerzbank folgt DWS mit "sicheren" Zertifikaten

Das Sicherheitsbedürfnis der deutschen Anleger ist im Zuge der Finanzkrise weiter gestiegen. Das gilt vor allem für Zertifikate, die durch die Lehman-Pleite im Fokus standen. Die Banken reagieren auf die veränderte Situation. Mit der Commerzbank bringt jetzt einer der Marktführer Zertifikate ohne Insolvenzrisiko auf den Markt.

DÜSSELDORF. Die öffentliche Debatte über die Sicherheit von Zertifikaten trägt weiter Früchte. Mit der Commerzbank hat gestern einer der führenden deutschen Zertifikate-Anbieter ein gutes Dutzend Zertifikate ohne Ausfallrisiko auf den Markt gebracht. Ähnliche Produkte hatte zuvor bereits die DWS angekündigt.

Bisher gehen Anleger bei Zertifikaten stets ein Ausfallrisiko ein. Die derivativen Wertpapiere, die mit Hilfe von Optionen die Wertentwicklung etwa von Aktien oder Indizes abbilden, sind wie Anleihen auch Inhaberschuldverschreibungen. Im Falle einer Insolvenz des Emittenten drohen Anleger daher leer auszugehen. Durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers vor knapp zwei Monaten ist dieses Risiko erstmals akut geworden. Seither sieht sich die Zertifikate-Branche massiver Kritik ausgesetzt.

Bei den neuen Zertifikaten der Commerzbank schalten Anleger das Emittentenrisiko aus. Möglich wird das dadurch, dass die Commerzbank für die neuen Papiere bei der Deutsche-Börse-Tochter Clearstream EZB-fähige Wertpapiere - hierunter fällt ein breiter Korb von Papieren öffentlicher und privater Emittenten mit guter Bonität - als Sicherheit hinterlegt. Im Falle einer Insolvenz der Commerzbank verkauft Clearstream diese Sicherheiten und zahlt mit dem Erlös die Anleger der Zertifikate aus.

Um einen wirksamen Schutz zu garantieren, muss der Wert der hinterlegten Wertpapiere immer mindestens so hoch sein, dass im Notfalle alle Anleger, die die besicherten Zertifikate gekauft haben, bedient werden können. Ob die Deckungseinlagen hierfür ausreichen, überprüft Clearstream täglich. Ist ihr Wert zu gering, muss die Commerzbank weitere Wertpapiere nachliefern.

Die Zusammenarbeit mit Clearstream unterscheidet die neuen Papiere der Commerzbank auch von denen der DWS Go, die am Freitag ebenfalls ihr erstes Zertifikat ohne Emittentenrisiko auf den Markt bringen wird. Das Zertifikat auf den Goldpreis, das wie künftige Folgeprodukte unter dem Label "DWS Go Safe" verkauft wird, schafft den Sicherheitsschirm über eine kompliziertere Konstruktion. Für jedes Zertifikat von DWS Go wird in Luxemburg ein eigenes Verbriefungsvehikel, ein so genanntes Compartment aufgelegt. In dieses zahlt die Partnerbank von DWS Go - bisher ist das die französische Société Générale - Vermögenswerte ein, mit denen die Auszahlung der Anleger sichergestellt werden soll.

Zudem muss die Bank in einem separaten Depot hochwertige Vermögenswerte als Pfand hinterlegen. Akzeptiert werden dabei ausschließlich Staatsanleihen von erstklassigen Schuldnern wie Deutschland oder Frankreich. Deren Wert wird einmal pro Woche angepasst. Um Wertverschiebungen unter der Woche abzudecken, verlangt die DWS stets eine Überdeckung in Höhe von 105 Prozent des Zertifikatevolumens als Sicherheitsleistung.

Während die DWS mit ihren besicherten Zertifikaten zunächst auf Spezialthemen wie Gold oder Schwellenländer setzt, beziehen sich die 13 Debüt-Papiere der Commerzbank sämtlich auf den Euro-Stoxx-50 und den Dax. Auf diese beiden Leitindizes hat die Bank acht Discount-, vier Bonus- und ein Reverse-Bonus-Zertifikate emittiert. Die Funktionsweise unterscheidet sich dabei grundsätzlich nicht von der herkömmlicher Zertifikate. Allerdings fallen die Gebühren im Zuge der zusätzlichen Absicherung höher aus. Aktuell zahlen Anleger für besicherte Papiere nach Angaben der Bank 0,7 Prozent mehr im Jahr. Die Kosten können je nach Marktumfeld stark schwanken.

Eine Massenproduktion wie bei Standard-Zertifikaten - mit fast 80 000 Zertifikaten und Optionsscheinen hat die Commerzbank mit Abstand die meisten Produkte an deutschen Börsen notiert - wird es nach Angaben der Bank bei den besicherten Papieren auf keinen Fall geben: "Die Zertifikate richten sich an die kleine Zielgruppe derer, die ein sehr hohes Maß an Sicherheit wünschen", sagt Ralph Stemper, Zertifikate-Experte der Commerzbank. Bei entsprechendem Anlegerinteresse werde die Produktpalette aber Schritt für Schritt ausgeweitet.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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