Neues Produktrating
Zertifikate werden transparenter

Die Forderungen nach mehr Transparenz am deutschen Zertifikatemarkt zeigen Wirkung: Nachdem vor kurzem bereits die Berliner Ratingagentur Scope ihre Noten für mehr als 100 000 Zertifikate veröffentlicht hat, startet die Frankfurter European Derivatives Group heute ein weiteres Produktrating. Die Emittenten reagieren bislang verhalten.

FRANKFURT. Das Angebot umfasst zunächst ebenfalls rund 100 000 Zertifikate von voraussichtlich acht Emittenten. Ziel der Frankfurter European Derivatives Group (EDG) ist es, möglichst schnell sämtliche mehr als 300 000 an deutschen Börsen gelisteten Zertifikate und Optionsscheine zu bewerten. Da die Urteile auf originären Produktdaten der Banken beruhen, ist sie aber auf deren Kooperation angewiesen.

Angestoßen wurde das Rating vom Deutschen Derivateverband (DDV) bzw. dessen Vorgängerorganisation Derivate Forum. Für Hartmut Knüppel, geschäftsführender Vorstand des DDV, ist das Rating einer der zentralen Punkte, mit denen die Transparenz am Zertifikatemarkt erhöht werden kann. Vor allem hofft er darauf, dass durch die Qualitätsnoten die ausufernde Emissionsflut gestoppt wird.

Träger des Ratings ist aber nicht der DDV, sondern die EDG. Finanziert wird es von den teilnehmenden Emittenten. Bedenken, dass darunter die Unabhängigkeit leiden könnte, hat Günter Schärtl, Leiter des Produktmanagements für Zertifikate bei Dresdner Kleinwort, nicht: "Ich sehe keinen Grund, an der Objektivität zu zweifeln. Das Rating basiert auf einem komplexen mathematischen Verfahren." Außerdem müssten die Banken sämtliche Produkte zur Beurteilung geben und nicht nur die, bei denen sie gute Noten erwarten.

Kern des Modells, das auf einem wissenschaftlichen Ansatz verschiedener Uni-Professoren basiert, ist ein zweistufiges Verfahren. Im ersten Schritt werden die Zertifikate auf ihre Eignung für verschiedene Anlegertypen untersucht. Grundlage hierfür ist die im Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) verankerte, fünfstufige Risikoklassifizierung von sicherheitsorientiert bis spekulativ. Für jede Klasse bekommt ein Zertifikat eine gesonderte Rating-Note: "Ein Optionsschein, mit dem Anleger ein hohes Verlustrisiko eingehen, kann niemals ein gutes Rating auf der Stufe der sicherheitsorientierten Anlage bekommen, wohl aber im spekulativen Bereich", sagt EDG-Geschäftsführer Philipp Henrich.

Gemessen wird das Produktrisiko anhand des so genannten Conditional Value at Risk, einem in der Finanzbranche gebräuchlichen Standard zur Risikomessung. In die Gesamtnote geht es insgesamt mit 50 Prozent ein.

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