Niedriger Einstand
Mit Derivaten durch schwierige Zeiten steuern

Derivate stehen am Pranger. In der breiten Öffentlichkeit werden sie als Auslöser der Wirtschaftskrise gesehen und als "Teufelszeug" verurteilt. Diese Einschätzung bedarf allerdings einer Korrektur; denn Derivat ist nicht gleich Derivat. Diese synthetischen Finanzinstrumente verdienen eine detaillierte Betrachtung.

FRANKFURT. Die Krise wurde nicht durch regulierte und börsengelistete Produkte wie Optionen und Futures ausgelöst. Denn es war allein der unbedachte Umgang gieriger und verantwortungslos handelnder Banker mit bisher weitgehend unregulierten Kreditderivaten, der das Chaos auslöste. Und Kreditderivate sind meist nicht an Börsen gelistet, sondern werden im wenig regulierten Interbankenhandel ge- und verkauft. Diese Banker schufen komplexe Produkte, die letztlich ihrer Kontrolle entglitten. Und so sind Derivate, die auf Vermögenswerten des US-Immobilienmarktes basieren, wegen des dortigen Preisverfalls praktisch wertlos. Deshalb wurden zuletzt immer stärker die Vorteile organisierter und regulierter Derivatebörsen erkannt. Diese Börsen sind im Jahr 2008 noch weiter gewachsen - entgegen dem massiven Schrumpfungsprozess der Finanzwelt. Dies hat zu einem Image-Gewinn von Terminbörsen wie der Chicago Mercantile Exchange (CME) und der Eurex geführt. Denn diese Märkte haben ihre Funktion über fast eineinhalb Jahrhunderte eindrucksvoll bewiesen. Die CME-Tochter Chicago Board of Trade existiert bereits seit dem Jahr 1848.

An Börsen gehandelte Derivate werden unterschieden nach Futures und Optionen. Beide Anlageformen erfordern Fachwissen und Erfahrung. Futures sind verbindliche Börsenkontrakte zwischen zwei Parteien. Im Gegensatz dazu stehen Optionen. Hierbei handelt es sich um halbseitig verpflichtende Kontrakte. Aus Börsensicht ist eine Option ein Finanzgeschäft, das ein Recht, nicht jedoch eine Pflicht beinhaltet, einen bestimmten Basiswert zu einem späteren Zeitpunkt zu einem zuvor vereinbarten Preis zu kaufen oder zu verkaufen. Optionen sind "bedingte Termingeschäfte", die nicht erfüllt werden müssen, sondern veräußert werden und verfallen können. In der Praxis muss der Basiswert, der einer Option zugrunde liegt, nicht geliefert werden. Meist bezahlt der Options-Verkäufer dem Käufer die Preisdifferenz. Hier spricht man von Barausgleich.

Optionen werden unterschieden in Kaufoptionen (Calls) und Verkaufsoptionen (Puts). Käufer von Calls setzen auf steigende, Käufer von Puts auf sinkende Preise. Zahlreiche Akteure haben im aktuellen Umfeld Puts verkauft, sich also zur Abnahme eines Basiswerts verpflichtet. Für diese Verpflichtung erhalten sie die Optionsprämie vom Optionskäufer. So können sie sich zu einem niedrigeren Kurs in Aktien einkaufen.

Optionsstrategien sind für Stillhalter (Verkäufer von Optionen) interessant, wenn die Volatilität hoch ist. Die "Vola" gibt das Ausmaß der Kursschwankungen an. Je höher sie ist, desto teurer ist die Option. Ein Anleger, der mit einem Anstieg einer bei 10 Euro notierenden Aktie rechnet, kann durch den Verkauf eines Puts einen fairen Einstandskurs erzielen: Er verkauft einen Put zum Basispreis von 8,50 Euro - und verpflichtet sich damit, die Aktie zu diesem Kurs zu beziehen. Dafür erhält er eine Optionsprämie in Höhe von etwa 1,50 Euro. Fällt die Aktie auf 8,50 Euro, wird der Put-Käufer sein Recht ausüben und die Aktie zu 8,50 Euro andienen. Für den Put-Verkäufer ist dies interessant, weil sein Einstandskurs in der Aktie nicht 8,50 Euro, sondern nur 7 Euro (8,50 Euro minus 1,50 Euro Optionsprämie) beträgt.

Will der Anleger die hohe Marktvolatilität weiter nutzen, kann er umgehend einen Call mit Basispreis 8,50 Euro verkaufen und sich eine entsprechend hohe Optionsprämie von etwa 1,50 Euro sichern.

Steigt der Kurs der Aktie im Laufe der Zeit über 8,50 Euro, wird der Käufer dieses Calls die Lieferung der Aktie zum Basispreis verlangen. Der Anleger hat also für den Bezug der Aktie 8,50 Euro aufgewandt, durch den Verkauf von zwei Optionen (zunächst Put, dann Call) jedoch drei Euro vereinnahmt - eine interessante Rendite im aktuellen Kapitalmarktumfeld. Für solche Strategien sind oft Rechenkünstler gefragt.

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