Nikkei am Scheideweg
Japan-Zertifikate: Goodbye oder Good Buy?

Die Finanzkrise hat die Aktienmärkte weltweit hart getroffen. Die heftigsten Verluste musste dabei der japanische Nikkei-Index verkraften. Angesichts düsterer Prognosen spricht eigentlich alles dafür, die Finger von Japans Aktien zu lassen. Doch einige Optimisten geben nicht klein bei - und objektiv bieten sich Anlegern wieder Chancen.

Minus 61 Prozent! Kein anderer nationaler Aktienindex musste einen so hohen Verlust seit dem Höchststand des jahrelangen Aktienbooms im Juli 2007 hinnehmen wie der japanische Nikkei- 225 Index. Japans Aktienkurse befanden sich monatelang mehr oder weniger im freien Fall. "Der Zusammenbruch des Exports, eine politische Lähmung und Druck von der Währungsseite durch eine Aufwertung des Yen - das darfmanals perfekten Tsunami bezeichnen", schreiben die Aktienanalysten Kathy Matsui, Hiromi Suzuki und Takashi Suwabe von Goldman Sachs in ihrem März-Strategie-Papier über die jüngste Entwicklung in Japan.Minus 61 Prozent innerhalb von 20 Monaten: ein trauriger Rekord und das schwärzeste Kapitel einer mittlerweile fast 20 Jahre währenden Leidensgeschichte.

Seit dem Jahreswechsel 1989/1990, dem Zeitpunkt des Zusammenbruchs der japanischen Börsenblase aus den 80er- Jahren, hoffen Aktionäre auf das große Comeback japanischer Aktien. Sie wurden immer wieder enttäuscht. Den vorläufigen Tiefpunkt markiert nun der 10. März 2009. An diesem Tag schloss der Nikkei bei 7 055 Punkten. Das sind rund 32 000 Punkte weniger als der Index im Dezember 1989 zählte. Zum Vergleich: In den vergangenen rund 20 Jahren haben Dax und Dow ihren Wert jeweils mehr als verdoppelt. Der Euro Stoxx 50 hat seinen Wert in dieser Zeit sogar verdreifacht - trotz Finanzkrise.

Die Prognosen für die japanische Wirtschaft sehen düster aus. Die zehn wichtigsten japanischen Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten für das am 31. März zu Ende gegangene Finanzjahr 2008/09 einen Rückgang des realen Bruttoinlandprodukts (BIP) um 2,7 bis 2,9 Prozent. Die Aussichten für 2009/10 sind noch schlechter: Die Prognosen lauten im Durchschnitt auf eine BIP-Schrumpfung von 4,1 Prozent. Sollten Anleger den japanischen Aktienmarkt also besser endgültig abschreiben?

Vielleicht doch nicht ganz. Seit Mitte März hat der Wind an der Börse gedreht - wenn zunächst auch nur aus markttechnischen Gründen. "Das japanische Geschäftsjahr endet im März. In den letzten Wochen betreiben Fonds und andere Investoren noch Window- Dressing. Das heißt, die Kurse werden zum Bewertungsstichtag hin noch einmal gezielt nach oben getrieben", erklärt Martin Pankau, Managing Director Japan bei Goldman Sachs in Tokio. Ob die März-Rally in den kommenden Monaten eine Fortsetzung findet, ist offen.

Doch es mehren sich die Stimmen der Optimisten, die glauben, dass in den Aktienkursen der japanischen Unternehmen bereits mehr Pessimismus steckt als angebracht ist. "76 Prozent aller Aktien im Topix handeln derzeit unter Buchwert", sagt Martin Pankau. Mit anderen Worten: Etwa Dreiviertel der japanischen Unternehmen kosten derzeit weniger als allein schon deren Fabriken, Immobilien, Lagerbestände und Bar- Rücklagen netto wert sind.

Seite 1:

Japan-Zertifikate: Goodbye oder Good Buy?

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%