Optionsscheine
Zertifikate-Emittenten retten sich ins Kerngeschäft

Die Branche konzentriert sich auf ihr Kerngeschäft. Statt komplizierter Strukturen will sie im Jahr 2010 mehr einfache Wetten wie Hebelpapiere verkaufen. Auch die Deutsche Bank will kaum noch neue Produkte auf den Markt werfen. Welche Teile des Zertifikatemarkts die Krise überleben.
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FRANKFURT. Immer weniger Emittenten verkaufen noch Zertifikate an deutsche Privatanleger. Die strukturierten Anlagepapiere ohne Kapitalschutz sind riskant, ihre Auszahlung am Laufzeitende hängt von zu vielen Faktoren ab.

Eine einfachere Wette auf fallende oder steigende Kurse von Aktien, Rohstoffen oder Devisen bieten dagegen Hebelpapiere und Optionsscheine. Aus dem Handel mit verbrieften Termingeschäften hatte sich in den 1990er-Jahren der deutsche Zertifikatemarkt erst entwickelt. Und auf diesen Handel wollen sich Zertifikateemittenten jetzt wieder konzentrieren.

"Der Zertifikatemarkt schrumpft auf seinen Kern, an den Rändern geht Geschäft verloren", sagt Holger Bosse von X-Markets, der Zertifikatesparte von der Deutschen Bank. Gemessen am Marktvolumen legt kein Institut in Deutschland mehr strukturierte Produkte auf als die Deutsche Bank. Das soll in Zukunft nicht anders werden. Aber "das Gleichgewicht kippt zugunsten der Hebelprodukte", sagt Bosse. Der börsliche und außerbörsliche Handel mit Hebelprodukten wächst, der Zertifikatehandel dagegen sinkt.

Selbst Klassiker wie Discountzertifikate werden weniger

Wegen der Finanzmarktkrise legen kaum noch Private ihr Geld in Zertifikate an. Denn sie fürchten das Ausfallrisiko von Emittenten genauso wie die Kursrisiken der Börsen. Folglich sank das Marktvolumen von Zertifikaten seit September 2008 von 139 Milliarden Euro auf 78 Milliarden Euro im Februar 2009.

Mittlerweile steigt das Volumen wieder, im September 2009 überschritt es 100 Milliarden Euro. Ein weiteres kursbereinigtes Wachstum erwarten Branchenexperten aber nicht. Selbst Klassiker wie Discountzertifikate werden weniger. In der Produktklasse sank das ausstehende Volumen nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) am deutlichsten. "Wesentlicher Grund war das Auslaufen vieler Produkte und der Umstand, dass nicht das gesamte Volumen unmittelbar reinvestiert wurde", erklärt der Branchenverband.

Aktuell würden zwölf Prozent der Deutschen ihr Geld in Zertifikate investieren, fand die DZ-Bank bei einer Privatanleger-Umfrage heraus. Für 73 Prozent gewinnt die Rendite bei ihrer Geldanlage wieder an Bedeutung, drei Viertel sind aber nicht bereit, dafür Risiken einzugehen.

Deutsche Bank setzt auf etablierte Klassiker

Strukturierte Wertpapiere werden also von den Privaten nicht mehr zur langfristigen Investition eingesetzt. "Zertifikate sind keine strategische Vermögensanlage mehr, sondern eine taktische", sagt Bosse von X-Markets. "Es wird den Investoren zwar schwerfallen, Zertifikate bei ihrer Geldanlage nicht zu berücksichtigen", sagt er. Aber ihre Entscheidung wird immer öfter zugunsten der Optionsscheine ausfallen.

Deshalb will sich die Deutsche Bank künftig mit Produktinnovationen am deutschen Zertifikatemarkt zurückhalten. "Wir konzentrieren uns auf etablierte Klassiker", sagt Bosse. Den ein oder anderen Versuchsballon will die Bank noch steigen lassen, aktuell zum Beispiel einen Cap-Optionsschein auf den Euribor-Zins. "Wir können uns das noch leisten", sagt Bosse. "Andere Emittenten können das nicht mehr."

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