Preisauftrieb
Inflationszertifikate überraschen positiv

Noch vor einem Jahr gehörten sie zu den Favoriten vieler Anleger - Inflationszertifikate. Doch wer glaubte, die Finanzkrise und die sinkenden Preise schickten die Zertifikatekurse nachhaltig auf Talfahrt, erlebte einige handfeste Überraschungen.

Nur 0,5 Prozent Inflationsrate im Jahresvergleich meldete das Statistische Bundesamt für März 2009 für Deutschland. Das waren die niedrigsten Preissteigerungen seit fast zehn Jahren. Verbraucher können also aufatmen. Viele Waren und Dienstleistungen wurden doch nicht so teuer wie befürchtet. Noch vor wenigen Monaten sah die Welt ganz anders aus. Mit 3,3 Prozent erreichte die Inflationsrate im Juni und Juli letzten Jahres einen Hochpunkt. Damals gingen Verbraucher und Konjunkturexperten von einer weiteren Steigerung aus. Das veranlasste viele Zertifikateanleger sich - nach den Verlusten an den Aktienmärkten - nach anderen Basiswerten umzusehen. Und da kamen die erwarteten Preissteigerungen gerade recht. Doch seitdem die internationale Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergegriffen hat und die Rohstoffpreise auf Talfahrt gingen, sank auch die Inflationsrate deutlich. Das hätte insbesondere auch die Kurse der Inflationszertifikate treffen müssen. Die zeigten sich allerdings überraschend stabil.

Unterschiedliche Konstruktion

Basiswert der Inflationszertifikate ist vor allem der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) in Deutschland bzw. Europa. Dazu werden die Preise für Waren und Dienstleistungen, die ein Haushalt typischerweise benötigt, vom Statistischen Bundesamt bzw. der Eurostat erfasst und in einen Punktestand umgerechnet. Aus der Veränderung des HVPI wird die jährliche Inflationsrate berechnet. Die Kursentwicklung der Inflationszertifikate hängt also hauptsächlich vom Verlauf des HVPI ab. Doch hier gibt es Abweichungen: Je nach Zertifikat wird auch der HVPI ex Tabak als Basiswert herangezogen. Hintergrund ist nach Angaben der HypoVereinsbank, die ebenfalls entsprechende Zertifikate im Angebot hat, die einfachere Konstruktion der Papiere mit dem liquideren Teilindex.

Positiv für sicherheitsorientierte Investoren: Viele Inflationszertifikate sind mit einer Kapitalgarantie ausgestattet, die zum Laufzeitende greift und Anleger vor möglichen Kursverlusten schützen soll. Diese wird mithilfe eines Zerobonds erzeugt. Die sinkenden Zinsen der letzten Monate haben für steigende Kurse bei diesen Zerobonds gesorgt und damit die Kurse der Zertifikate stabilisiert - entgegen dem Trend bei der Inflationsentwicklung. Für Anleger fielen teilweise sogar Kursgewinne an. Daneben können Anleger oftmals von jährlichen Ausschüttungen, die zumeist im ersten Laufzeitjahr fest sind und im weiteren Verlauf von der Entwicklung des Inflationsindex abhängen, profitieren. Zum Beispiel bei der 200Prozent-Inflationsanleihe von Morgan Stanley (WKN: MS8FPY).

Im ersten Jahr wird ein Festzins von 4,5 Prozent gezahlt, im Laufzeitjahr zwei und drei folgen Kuponzahlungen in Höhe der zweifachen Inflationsrate. Im Fall einer negativen Inflationsrate, sprich es kommtzur Deflation, wird nichts ausgezahlt. Was sich zum Emissionszeitpunkt im Juni 2008 noch als attraktive Verzinsung darstellte, könnte sich nach dem deutlichen Rückgang der Inflationsrate als magere Ausbeute entpuppen. Würde man die aktuelle Inflationsrate für die Kuponzahlung im Juni nächsten Jahres heranziehen, käme man lediglich auf eine Verzinsung von einem Prozent für das zweite Laufzeitjahr. Da bieten Festgelder derzeit mehr - ohne Emittentenrisiko.

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