Protect Momentum Zertifikate
Nach oben ein Hebel, nach unten ein Puffer

Irgendwie mit dem Bonus-Mechanismus verwandt ist auch das, was Sal. Oppenheim seit neuestem unter dem Label „Protect Momentum“ feilbietet.

Hier gibt es ebenfalls eine anfänglich deutlich unter dem Stand des Basiswerts platzierte Schwelle, die allerdings bloß auf Kapitalerhalt abzielt – sofern die Barriere hält, bekommt man bei Fälligkeit schon einmal garantiert den Emissionspreis zurück. Einen Bonus sucht man derweil vergeblich, doch der Verzicht darauf wird kompensiert: Statt in der risikogepufferten Mindestrendite liegt der Mehrwert in einer überproportionalen Partizipation an der positiven Performance.

Beispiel EURO STOXX 50: Wenn das paneuropäische „Blue Chip“-Barometer bis zum Juli 2007 niemals auf oder unter 2.000 Punkte fällt, kommen am Ende für das Zertifikat mindestens 28,60 Euro zur Auszahlung. In Relation zum aktuellen Index-Stand (2.907 Zähler) ergibt sich somit ein anfänglicher Puffer von über 30 Prozent. Dieser sollte eigentlich ausreichen, um die allermeisten Risiken zu vermeiden, denn schließlich haben die 50 Top-Titel Eurolands die „magische“ 2.000er Marke nur auf dem Tiefpunkt der Depression im letzten März für ein paar Tage unterschritten. Mehr als die besagten 28,60 Euro sind am Laufzeitende freilich nur drin, sofern der Index steigt.

Dann nämlich erhält man zusätzlich das 1,25fache des gegenüber dem Emissionsniveau (2.860 Punkte) erreichten Wertzuwachses. Klettert der EURO STOXX 50 also in den nächsten drei Jahren beispielsweise auf 3.500 Punkte (gegenüber heute ein Plus von rund 20 Prozent), wirft das Zertifikat 36,60 Euro ab – 28,60 Euro plus ein Hundertstel der 1,25fachen Differenz zwischen 3.500 und 2.860. Auf Basis der momentanen Briefkurse (29,09 Euro) würde also ein gehebelter Gewinn von 25,8 Prozent zu Buche stehen.

Bleibt die Schwelle während der Laufzeit dagegen wider Erwarten doch nicht jungfräulich, passiert dasselbe wie beim Bonus-Zertifikat. Der Sicherungsmechanismus wird deaktiviert und man ist mit einem Schlag exakt denselben Risiken ausgesetzt wie bei einem Direktinvestment in den Index – trotz der Hebelwirkung fährt man also (von den eingehaltenen Dividenden einmal abgesehen) niemals schlechter.

Und sollte der Index sich nach einem derartigen Tiefenrausch wieder berappeln, wird die über den Referenzstand von 2.860 Zählern hinausgehende Performance wieder mit dem Faktor 1,25 multipliziert. Insgesamt also eine faire Sache, mit der Sal. Oppenheim erneut ein gutes Gespür für die aktuellen Wünsche der Anlegerschaft beweist: Nach oben ohne Cap und mit Hebel profitieren, nach unten komfortabel abgesichert sein und obendrein keine allzu langer Anlagehorizont.

Von der Ausgestaltung her gibt an diesem Produkt nichts zu kritisieren. Im Gegenteil, die direkte Ableitungen vom Index-Stand (Bezugsverhältnis 1:100) sorgen für eine weitaus höhere Transparenz als die ansonsten gern praktizierte Normierung auf einen Emissionspreis von 100,00 Euro.

Diskussionswürdig bleibt somit allein das im Vergleich mit einem Bonus-Zertifikat etwas zugespitztere Chance-Risiko-Profil. Für gewöhnlich bevorzugen wir ja Papiere, die in allen halbwegs denkbaren Marktszenarien nicht nur das Kapital erhalten, sondern zumindest eine kleine Rendite erwirtschaften. Damit kann das „Protect Momentum“ nicht dienen, was jedoch nicht so stark ins Gewicht fällt.

Grund dafür ist der Mangel an besseren Alternativen in der kurzen Laufzeit-Klasse: Das einzige begrenzt vergleichbare Produkt, ein ebenfalls auf den EURO STOXX 50 bezogenes Bonus-Zertifikat der Société Générale (ISIN DE 000 A0A MYW 7) mit Fälligkeit Januar 2007 und einem sogar leicht niedrigeren Puffer von 25 Prozent (Schwelle bei 2.149 Punkten), bietet gerade einmal 14 Prozent Bonus-Ertrag – nicht gerade viel. Anders als bei den langen Laufzeiten scheint der 1,25fache Hebel damit die attraktivere Leistung zu sein.

Wer hier zugreift, sollte allerdings den Kursverlauf im Auge behalten. Zwar wird das Zertifikat die Index-Bewegungen definitiv nicht wie ein „Mini Future“ mit exaktem Hebel mitmachen. Setzt der EURO STOXX 50 aber seinen Aufwärtstrend weiter fort (was nach dem Durchstoßen des Widerstands bei 2.900 Zählern gar nicht so unwahrscheinlich ist), dürfte das Papier auch schon während der Laufzeit eine überproportionale Performance zeigen – und diese darf man dann ruhig einmal mitnehmen bzw. dergestalt durch Stopp-Kurse sichern, wie wir das im letzten ZJ anhand der Bonus-Zertifikate vorexerziert haben. Selbiges gilt natürlich auch für das zeitgleich begebene „Protect Momentum“ auf DaimlerChrysler (ISIN DE 000 SAL 1C4 2), das bei ebenfalls 30 Prozent Puffer sogar einen Hebel von 1,55 bietet und damit ein Top-Investment für engagierte Anleger ist, die der von Chrysler, Mitsubishi und TollCollect geschundenen Welt AG weiteres Aufwärtspotential zubilligen.

Mehr über Zertifikate erfahren Sie Woche für Woche im „ZertifikateJournal“, dem kostenlosen Newsletter von Deutschland´s führenden Zertifikate-Experten Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger. Unter www.zertifikatejournal.de können Sie sich in den Verteiler eintragen.

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