Ratings
Sterne erleichtern das Zertifikate-Picking

Während der jüngsten Kurseinbrüche und der Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers haben Zertifikateratings ihre Feuertaufe bestanden. Genutzt hat das aber nur wenigen Anlegern. Das war in vielen Fällen auch ihre eigene Schuld.

Für Sasa Perovic hatte die Lehman-Pleite auch einen guten Aspekt. "Bereits fünf Tage vor der Pleite haben wir fast alle Lehman-Zertifikate mit C oder schlechter bewertet", sagt Perovic, Leiter der Zertifikateanalyse bei der Ratingagentur Scope. "In unserem System gibt es nur noch eine schlechtere Bewertungsstufe. Unser Rating hat also funktioniert."

Scope ist nicht der einzige Anbieter von Zertifikate-Ratings, dessen System schon vor der Lehman-Pleite Alarm geschlagen hat. Dass viele Anleger trotzdem nicht reagiert haben, zeigt also auch eine Fehlwahrnehmung der vorhandenen Ratings. Denn diese sind dynamisch und können sich im Extremfall täglich ändern. Die Vergabe von Sternen oder Noten hat offensichtlich viele Anleger vermuten lassen, dass es sich um statische Produkteinschätzungen handelt.

Bis Ende 2007 war Scope der einzige Anbieter, der in Deutschland ein unabhängiges Rating für Zertifikate anbot. Inzwischen hat das Unternehmen vielfältige Konkurrenz: Das Institut für Zertifikateanalyse (IZA) untersucht Zertifikate-Neuemissionen und die European Derivatives Group (EDG) bietet ein vom Deutschen Derivate Verband (DDV) beworbenes System zur laufenden Klassifizierung an. Jüngster Mitspieler ist die Agentur Feri, die im März 2009 ihr System auf den Markt gebracht hat.

"Das Besondere an unserem Rating ist, dass wir für jedes Underlying 10 000 Kursverläufe simulieren", erklärt Andreas Köchling, Senior Analyst bei Feri. "Zum Beispiel bei Bonuszertifikaten kommt es schließlich nicht nur auf den Auszahlungszeitpunkt an, sondern auch auf den Kursverlauf davor." Mit jeder Menge Rechenpower lässt Feri deshalb die untersuchten Zertifikate die Kursbewegungen durchlaufen, erstellt eine wahrscheinliche Verteilung und errechnet daraus die Bewertungskennzahlen. Am Ende stehen zwei Noten: Eine für die Produkt- und eine für die Emittentenqualität.

Doch bevor Anleger beginnen, sich mit den speziellen Kennzahlen eines Ratings zu beschäftigen, sollten sie zunächst zwei Fragen beantworten können: Welche Arbeit bei der Zertifikateauswahl möchte ich mir ersparen? Und: Welche Kennzahlen möchte ich lieber selbst untersuchen? Je nachdem, wie diese beiden Fragen beantwortet werden, eignen sich auch bei ähnlichem Anlegerverhalten durchaus unterschiedliche Ratings.

Der größte Fehler, den Anleger beim Einsatz von Ratings bei der Zertifikateauswahl machen können, ist die zweite Frage mit "gar keine" zu beantworten. Auch die beste standardisierte Untersuchung kann dem Anleger seine Arbeit bei der Auswahl und Risikokontrolle nicht abnehmen - weder vor der Investition noch während das Produkt im Depot liegt.

Klassifizierung der EDG

Die EDG versucht mit ihrer Klassifizierung dem Anleger die meiste Arbeit abzunehmen. Unter dem Strich stehen dort für jedes untersuchte Zertifikat fünf Bewertungen, aufgeteilt nach dem vom Investor gewünschten Risiko. Besonders ausfallsichere Zertifikate wie sehr defensive Discounter oder Garantieprodukte können nur in den niedrigen Risikoklassen ein gutes Rating bekommen, in höheren - wo auch mehr Rendite gefordert wird - eher nicht.

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