Regulierung
Politik diskutiert Zertifikateverbot

Durch die Pleite von Lehman Brothers gerieten Zertifikate vor einem Jahr in die Schlagzeilen. Jetzt reagiert die Politik: Die CDU schlägt ein partielles Verkaufsverbot an Privatanleger vor. Für die angeschlagene Branche wäre das ein weiterer Tiefschlag. Entsprechend barsch reagierte der Derivateverband auf den Vorschlag der Union.

FRANKFURt. Die Zukunft der Zertifikatebranche liegt in den Händen der Parteien. Der finanzpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bundestag Otto Bernhardt fordert ein teilweises Verkaufsverbot der Papiere an private Investoren. "Wir diskutieren das Verbot bestimmter Zertifikate für Private. Das institutionelle Geschäft soll aber unangetastet bleiben." Die FDP dagegen glaubt an eine Selbstregulierung der Branche: "Die Checkliste des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) für Zertifikateanleger, zusammen mit den Regeln für Beratungsgespräche und der Beraterhaftung, reichen aus", sagt ihr Finanzpolitischer Sprecher Frank Schäffler.

Auf dem Deutschen Derivate Tag in Frankfurt diskutierten gestern Experten aus der Finanzbranche und Politik eine mögliche Lösung des Konflikts. Die Branche steht unter Druck: Nicht nur die politisch umstrittene Regulierung, sondern auch die Umsatzzahlen machen ihr Sorgen. Bislang verlieren die Zertifikateanbieter mehr Kunden als sie gewinnen.

Im Juli 2009 lag der Börsenumsatz professioneller und privater Investoren mit derivativen Wertpapieren bei 4,34 Mrd. Euro. Im Juli des Vorjahres betrug der Umsatz noch 6,2 Mrd. Euro. Und im Rekordjahr 2007 handelten die Investoren allein im Monat Juni Derivate im Wert von rund 18 Mrd. Euro. Seither meiden jedoch vor allem private Investoren die Anlageklasse, mit der sie seit Beginn der Finanzkrise wegen Emittentenpleiten und stark fallender Aktienkurse hohe Verluste hinnehmen mussten. Grund für die Fehlspekulationen waren die teils zu komplizierten Auszahlungsstrukturen.

Mit möglichst einfachen Strukturen wollen die Zertifikateemittenten künftig die privaten Kunden zurückgewinnen. Sie glauben inzwischen sogar einen neuen Aufwärtstrend zu spüren. Ihr Umsatz mit strukturierten Anlageprodukten soll, so ihre Hoffnung, dank zahlreicher Bewertungs- und Transparenzinitiativen (siehe "Kein Vertrauen") wieder steigen.

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