Regulierung
Politik schaut kritisch auf Derivate

Die Schwächen der Derivatebranche wurden durch die Finanzkrise schonungslos offengelegt. Vor allem das sichtbar gewordene Emittentenrisiko hat das Vertrauen der Anleger nachhaltig erschüttert. Nun bemühen sich die Emissionsbanken am Markt für strukturierte Produkte um eine stärkere Selbstregulierung.

FRANKFURT. Durch die Finanzkrise sind die Schwächen der Derivatebranche offen ans Tageslicht gekommen. In der Kritik stehen vor allem solche Instrumente, die nicht in einem kontrollierten Börsenumfeld kreiert und gehandelt werden, sondern im Freiverkehr direkt zwischen Banken hin- und hergeschoben werden. Auch die vor allem in Europa populären Privatanleger-Derivate wie Zertifikate, Optionsscheine, Aktienanleihen und andere strukturierte Finanzprodukte kommen bei der Kritik nicht ungeschoren davon. Denn während der Krise mussten Anleger schmerzhafte Erfahrungen wegen teils hoher Verluste mit diesen Wertpapieren machen.

Dabei entzündete sich die Kritik vor allem am durch die Lehman-Pleite sichtbar gewordenen Emittentenrisiko. Erst spät erkannten Anleger, dass zum Beispiel Zertifikate nichts anderes sind als Schuldverschreibungen. Deren Leistungsversprechen ist wiederum eng mit dem Wohl und Wehe der sie ausgebenden Bank verknüpft. Weitere Kritikpunkte waren neben der unzureichenden Transparenz dieser Produkte auch Mängel in der Beratung der Anleger; denn zahlreiche komplexe Strukturen erfordern sehr viel Fachwissen und vor diesem Hintergrund auch entsprechende Risikohinweise durch die beratenden Banken. Auch die gerade in turbulenten Zeiten oftmals fragwürdige Preisstellung der Produkte an der Euwax und an anderen Börsen zeigten die grundlegenden Schwächen.

"Wir haben gelernt und nehmen diese Kritik sehr ernst", sagt Zertifikate-Experte Stefan Armbruster von der Deutschen Bank. Auch Jörg Kukies, der für diesen Bereich bei Goldman Sachs in Frankfurt zuständig ist, weist darauf hin, dass die Branche in den vergangenen Monaten aus der Krise gelernt hat und die zuvor gemachten Fehler weitgehend abgestellt wurden. "Die zuletzt an den Markt gebrachten Produkte zeichnen sich durch simple Strukturen aus", sagt Kukies.

Der Experte sieht zwei wesentliche Entwicklungen: Zum einen geht er davon aus, dass sich die Besicherung von Zertifikaten zum Beispiel durch die Hinterlegung von Staatsanleihen oder anderer Sicherheiten letztlich nicht durchsetzen wird. Denn hierdurch würden sich die Emittenten die Flexibilität bei der Ausgestaltung der Produkte nehmen. Zudem mache eine Besicherung diese Investmentvehikel vergleichsweise teuer. Sie seien daher zu anderen Finanzprodukten wie traditionellen Fonds und Indexfonds (ETF) nicht mehr konkurrenzfähig.

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