Regulierung
Zertifikaten drohen schärfere Transparenzregeln

Die Europäische Union prüft strengere Transparenzvorschriften für strukturierte Produkte wie Zertifkate. Nach den Erfahrungen mit der Finanzkrise ist die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass Brüssel neue Vorgaben machen wird. Die Branche will mit neuen Initiativen gegensteuern.

FRANKFURT. Der deutschen Zertifikate-Branche droht Gegenwind aus Brüssel: "Die Finanzkrise hat zu einem Wandel der Einstellungen geführt. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine strengere Regulierung für die Branche kommt, ist heute sicher höher als vor einem Dreivierteljahr", sagte der Europaabgeordnete Wolf Klinz (FDP) auf dem Deutschen Derivatetag, einem Branchentreffen in Frankfurt.

Durch die Insolvenz der US-Bank Lehman Brothers, die auch Zertifikate verkauft hat, stehen die Emittenten dieser Produkte aktuell stark in der Kritik. Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen. Im Falle einer Pleite des Emittenten droht Anlegern daher der Totalverlust ihres Kapitals.

Die EU-Kommission überprüft zurzeit, ob bei strukturierten Produkten, zu denen auch Zertifikate zählen, geringe Transparenzstandards gelten als beispielsweise bei Fonds. Im Januar will EU-Binnenmarktkommissar Charlie McCreevy eine Analyse vorlegen, der eine EU-Richtlinie folgen könnte. Nach Meinung von Klinz gibt es hierfür einige Ansatzpunkte: "Die Kosten und die Strukturen der einzelnen Produkte sowie Informationen über die Bonität des Emittenten müssen für jeden Anleger klar erkennbar sein", fordert das Mitglied des Ausschusses für Wirtschafts- und Währungsfragen im Europäischen Parlament. Dies müsse nicht zwangsläufig über eine Richtlinie geschehen, die Entscheidung darüber liege aber bei McCreevy.

Die Zertifikatebranche setzt auf eine Selbstregulierung, um die Transparenz zu steigern. Als jüngste Maßnahmen kündigte der Deutsche Derivateverband (DDV) gestern Anlegerschulungen in Kooperation mit Anlegerschützern sowie einen Zertifikateindex an, der die Wertentwicklung von Zertifikaten als Anlageklasse vergleichbar machen soll.

Für Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, ist eine Selbstregulierung, aber der falsche Weg: "Das ist so, als würde man einen Hund damit beauftragen, einen Futtervorrat zu bewachen", sagte er auf dem Derivatetag. Die Regulierung der Zukunft zeichne sich aber dadurch aus, dass sie in enger Kooperation mit den Marktteilnehmern erfolgt.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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