Reindustrialisierung in den USA
Go West

Die USA wollen ihr Land wieder zu einem der zentralen Industriestandorte weltweit machen. Dabei setzen sie vor allem auf billige Energie aus dem eigenen Boden. Wie Anleger davon profitieren können.
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DüsseldorfDie Vereinigten Staaten waren in den vergangenen Jahren: der größte Konsument, der größte Schuldner und der größte Energie-Importeur weltweit, während die Industrie auf ein Minimum schrumpfte. Erfolgreiche US-Unternehmen exportierten zuletzt vor allem zuckerhaltige Getränke und Frühstücks-Zerealien, Software und Waffen. Der Rest ist Dienstleistung oder Industrie-Geschichte. Die im Zerfall befindliche einstige Automobil-Metropole Detroit steht beispielhaft für den Niedergang der Industriestandorte in den USA. Die Fertigung von US-Produkten erfolgt weitgehend in Asien oder Mexiko.

So lässt zum Beispiel Apple seine i-Produkte heute in Taiwan zusammenbauen, und IBM verkaufte sein PC-Geschäft vor neun Jahren sogar komplett an den chinesischen IT-Konzern Lenovo. „Big Blue“ agiert seitdem in erster Linie als Beratungsunternehmen – ein typischer Fall für die Entwicklung des Landes. Der Dienstleistungssektor erwirtschaftet offiziellen Angaben zufolge heute etwa 77 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) der USA, der Industriesektor dagegen nur noch 22 Prozent.

Lange Zeit schien es, als ob Made in USA keine Zukunft mehr hätte. Die ehemals größte Wirtschaftsnation hat in den vergangenen Jahren den Boden unter den Füßen verloren: Noch im Jahr 1990 betrug der Anteil der USA am Welthandel rund 12 Prozent, Chinas Anteil lag bei zwei Prozent. Heute ist China mit rund elf Prozent die Wirtschaftsnation Nummer eins, während die USA hinter Deutschland auf Platz drei zurückgefallen sind – mit einem Anteil am Welthandel von rund acht Prozent.
Doch das soll sich nun ändern. Die USA wollen wieder an die Spitze der Industrienationen. Und vieles spricht dafür, dass dies gelingen könnte. Der Hauptantreiber für die Reindustrialisierung hat einen Namen: „Fracking“. Darunter versteht man ein Verfahren, mit dem man unter hohem Druck Wasser und Chemikalien in die Erde presst und auf diese Weise bislang unzugängliche Gas- und Ölvorräte an die Oberfläche befördert. Fracking ist umstritten. Es gibt über die im Schiefergestein gebundenen vorhandenen Reserven unterschiedliche Ansichten.

Optimisten rechnen mit nachhaltigen Reserven, andere gehen davon aus, den Peak bereits überschritten zu haben. Umweltschützer warnen zudem vor den Gefahren. Das Grundwasser könnte verseucht werden. Langfristige Folgen für die Natur und auch den Menschen sind noch nicht erforscht. Doch das ficht die Fracking-Industrie nicht an. Sie hat Rückendeckung aus Washington. „Es ist der politische Wille der Regierung, die USA in absehbarer Zeit unabhängig von Energie-Importen zu machen. Deshalb sind die umweltpolitischen Auflagen für Fracking-Projekte lax“, sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank.

Kommentare zu " Reindustrialisierung in den USA: Go West"

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  • USA fördert billig Energie - und wer profitiert davon.
    Das Handelsblatt beschäftigt sich "schon" heute damit.

    LOL

  • So isses.

    Morgens vom Beamtensessel aus gegen die Technik hetzen, abends Cola trinken.

  • 15 oder 20 Jahre koennen ein ganzes Wirtschaftswunder mit Wohlstands-Ruecklagen beinhalten. Aber vor allen Dingen liegen neben den riesigen Mengen Energietraeger fuer das Fracking natuerlich auch noch die Oelsaende an den Raendern der USA.

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