Renaissance der Kernenergie lässt Branchenprimus Cameco gut dastehen
Uran-Zertifikat bietet gute Seitwärts-Rendite

Hierzulande ist sie verpönt, in vielen Regionen der Welt feiert sie eine Renaissance: Schwellenländer setzen auf Kernenergie. Vor diesem Hintergrund hat die Deutsche Bank ein Uran-Discount-Zertifikat auf den Branchenprimus Cameco herausgegeben.

Mehr Phantasie als „Soft Commodities“ bietet momentan ein kleines, in keinem Index enthaltenes Rohstoff-Segment: Uran. Das spaltbare Material ist die unentbehrliche Betriebsgrundlage für Kernkraftwerke – die hierzulande zwar „mega-out“ sind, in den USA sowie in den Schwellenländern Osteuropas und Asiens jedoch gerade eine beeindruckende Renaissance feiern. Bereits jetzt liefern die 440 über den Globus verstreuten Atommeiler rund 16 Prozent der Weltenergie, in zehn Jahren könnte sogar die Marke von 20 Prozent erreicht werden. Dafür dürften schon China und Indien sorgen, die ihre Nuklear-Kapazitäten bis 2020 vervierfachen wollen; daneben werden auch in Japan, Südkorea, Russland, Brasilien und Bulgarien neue Kernanlagen errichtet.

Das Kalkül ist klar: Fossile Brennstoffe werden immer teurer und stehen wegen der CO2-Emission auch ökologisch in der Kritik; „grüne“ Energien wie Wind-, Wasser- und Sonnenkraft mögen in bestimmten Regionen durchaus funktionieren, können aber (noch) keinen flächendeckenden Versorgungsbeitrag liefern. Atomstrom dagegen ist relativ kostengünstig, hoch skalierbar und umweltfreundlich; letzteres natürlich nur, sofern man das Risiko nuklearer Unfälle und die noch nicht gelöste Problematik der Endlagerung verbrauchter Brennstäbe ausblendet.

Potenzial bis 90 US-Dollar

Und auch hinter dem Kosten-Argument könnte bald ein Fragezeichen stehen – weil die weltweite Nachfrage nach dem unverzichtbaren Uran sich momentan auf 170 Mio. Pfund pro Jahr beläuft, gleichzeitig aber nur 80 bis 90 Mio. Pfund neu abgebaut werden, ist der Preis des „kernigen“ Metalls zuletzt förmlich explodiert. Ende 2000 kostete ein Pfund noch knapp sieben US-Dollar, jetzt müssen die Kraftwerksbetreiber ungefähr das Dreifache berappen.

Und das muss noch lange nicht das Ende der Fahnenstange sein, denn für viele der im Bau befindlichen Atommeiler wurden noch keine Uran-Lieferverträge abgeschlossen. Da die Erschließung neuer Vorkommen sich sehr aufwändig gestaltet, dürfte der Nachfrageüberhang also noch stärker werden. Damit scheint es nur noch eine Frage der Zeit zu sein, bis Uran seine alten Höchststände von 40 US-Dollar zurückerobert. Diese datieren freilich aus dem Jahr 1979, weshalb das Potenzial unter Berücksichtigung von Inflationseffekten durchaus bis 90 US-Dollar reichen könnte.

Discount-Zertifikat auf den Branchenprimus

Ein „Open End“-Zertifikat auf Uran wäre demnach eine spannende Depotbeimischung, allerdings ist diese Idee wenig realistisch – es gibt weder einen Uran-Future noch sonstige Handelsinstrumente, über die die Emittenten ein solches Direktinvestment absichern könnten. Bleibt also nur der Umweg über den Aktienmarkt, der freilich ebenfalls nicht allzu üppig bestückt ist. Neben Cameco und Paladin Resources (beide auch im „Energy Basket“ der Raiffeisen Centrobank enthalten) weisen nur Usec sowie die französische Areva-Gruppe (deren Tochtergesellschaft Cogema u.a. die berühmt-berüchtigte Wiederaufbereitungsanlage in La Hague betreibt) eine ausreichende Kapitalisierung auf; ansonsten tummeln sich in diesem Sektor viele dubiose „Start-ups“, die noch nicht einmal im Besitz von Minenrechten sind. Für einen „Uran-Basket“ ist das etwas dünn, weshalb die Deutsche Bank einen anderen Weg eingeschlagen und ein Discount-Zertifikat (ISIN DE 000 DB2 870 3) auf den Branchenprimus Cameco begeben hat.

Strahlende Bilanz

Das erst 1988 gegründete kanadische Unternehmen verfügt über die wohl reichhaltigste Uran-Mine, hat bei der Produktion einen Weltmarktanteil von über 20 Prozent und ist darüber hinaus Mitbetreiber von sechs Kernkraftwerken. Kein Wunder also, dass Vorstandschef Victor Zaleschuk Ende Januar eine strahlende Bilanz für 2004 vorlegen konnte – die Erlöse sind um 34,6 Prozent auf 870 Mio. US-Dollar geklettert, das Betriebsergebnis hat sich sogar verfünffacht. Auch die Umsatzrendite von sagenhaften 29,2 Prozent spricht Bände, und da die variablen Kosten relativ gering sind, würde Cameco an einem weiteren Anstieg der Uran-Preise mit einem ähnlichen Hebeleffekt profitieren wie die im Amex Gold Bugs Index gebündelten Goldminen von der Gold-Hausse.

Von dieser Phantasie ist im Kurs allerdings schon ziemlich viel enthalten: Auf Dollar-Basis hat sich die Aktie in den letzten zwei Jahren nahezu versiebenfacht, die Marktkapitalisierung entspricht mit 7,88 Mrd. US-Dollar dem neunfachen Jahresumsatz. Um diese Bewertung zu rechtfertigen, muss man schon die zu Neuer Markt-Zeiten arg strapazierte „PEG-Ratio“ bemühen, die das aktuelle Kurs/Gewinn-Verhältnis (23,2) ins Verhältnis zum für die nächsten Jahre erwarteten Ertragswachstum (25 Prozent p.a.) setzt. Der leicht unter 1,00 liegende Quotient signalisiert noch ein bisschen Spielraum nach oben, wobei die Gewinnschätzungen nur moderat steigende Uran-Preise implizieren.

Offensives Papier

Da die impliziten Volatilitäten nicht nur bei fallenden Kursen, sondern auch bei starken Ausbrüchen nach oben deutlich anziehen, ist Cameco auf den ersten Blick eine Art „natürlicher Kandidat“ für ein Discount-Engagement. Mit einem Cap bei 50,00 US-Dollar hat die Deutsche Bank sich für eine leicht offensive Variante entschieden; ausgehend vom aktuellen Kurs (45,69 US-Dollar) muss die Aktie bis zur Fälligkeit im Juni 2006 noch knapp 10 Prozent zulegen, damit man die maximale Rendite einstreichen kann.

Diese beläuft sich gegenwärtig auf 29,5 Prozent entsprechend 22,3 Prozent p.a., hängt allerdings von der weiteren Entwicklung des US-Dollars ab, da das Rabatt-Papier wie bei X-markets üblich ohne Währungssicherung daherkommt. Falls die EUR/USD-Relation bis Sommer 2006 auf 1,50 steigt, würde sich der Ertrag halbieren; bei einer Renaissance des „Greenback“ auf 1,20 Euro könnte man sich dagegen über bis zu 43 Prozent Gewinn freuen.

Hohe Seitwärtsrendite

Selbiges gilt natürlich auch für den Risikopuffer, der nur bei konstanter Wechselkursentwicklung 15 Prozent beträgt. Kostet ein US-Dollar dagegen 1,50 Euro, darf Cameco bis zur Fälligkeit gerade einmal fünf Prozent einbüßen, bevor Sie als Anleger in die Verlustzone rutschen; umgekehrt würde ein EUR/USD-Kurs von 1,20 die Verlustschwelle auf 35,00 US-Dollar senken. Eine ziemlich komplizierte Rechnerei also, die auf ein grundsätzliches Problem aufmerksam macht: Wenn der Uran-Boom anhält, kann die Aktie sich durchaus nochmals verdoppeln. Das Discount-Zertifikat würde davon nur unterproportional profitieren, gleichzeitig trägt man jedoch das volle Währungsrisiko.

Wegen der hohen Seitwärtsrendite (18,3 Prozent ohne Berücksichtigung von Wechselkurseffekten) macht das Papier dennoch Sinn, wobei nur risikobereite Anleger zugreifen sollten, die regelmäßig auf die Kurse schauen – bei einer dermaßen heißgelaufenen Aktie kann schließlich auch der größte Discount keine beruhigende Wirkung mehr haben. Eventuelle Gewinne wollen zügig mitgenommen, potentielle Verluste eng begrenzt werden.

Mehr über Zertifikate bietet Woche für Woche das ZertifikateJournal, ein kostenloser Anlegerbrief der Zertifikate-Experten Christian W. Röhl und Werner H. Heussinger. Auf »www.zertifikatejournal.de können Sie sich in den Gratis-Verteiler eintragen!

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