Risikomanagement
Geheimnisvolle Derivate

Vor dem Hintergrund der aktuellen Turbulenzen an den Welt-Finanzmärkten diskutieren Finanzkreise über strukturierte Produkte: Experten fordern mehr Transparenz, ein besseres Risikomanagement bei Kombi-Produkten sowie die flächendeckende Schaffung von Datenbanken für den strukturierten Markt – rund um den Globus.

MONTREUX. Die Vertreter des einen Lagers wie Marc Chambers von Man Investments sehen in strukturierten Produkten „Giftmüll“. Die andere Seite erkennt in diesen Anlagevehikeln, bei denen verschiedene Finanzinstrumente miteinander kombiniert werden, eine sinnvolle Ergänzung traditioneller Anlageformen. Fachleute erwarten ungeachtet der derzeitigen Verwerfungen auf mittlere Sicht eine Fortsetzung der Wachstumsdynamik, fordern gleichzeitig jedoch mehr Transparenz und eine bessere Risikoüberwachung. Im Zuge der Subprime-Krise müsse der seit Jahren sehr stark wachsende Markt für strukturierte Produkte einen ersten Stresstest bestehen, sagt Michel Prada, Chairman der Autorité des Marchés Financiers. Im ersten Halbjahr 2007 ist das in Finanzstrukturen verbriefte Volumen nach Angaben des European Securitisation Forum allein in Europa um rund 70 Prozent auf etwa 280 Mrd. Euro gestiegen.

Dieser boomende Markt entstand aus der Idee heraus, Kreditrisiken vom eigentlichen Kreditgeschäft abzutrennen und durch Verbriefung eigenständig an Märkten und Börsen handelbar zu machen. In der Folgezeit entwickelten gewiefte Finanzmathematiker der Banken durch die Nutzung exotischer Derivate neue synthetische Finanzstrukturen, die äußerst komplex sind. Selbst viele Banker wissen nicht, was ihre Kollegen in diese „Wundertüten“ hineingepackt haben. Die Besonderheiten dieser Instrumente seien darüber hinaus nicht nur für die Aufsichtsbehörden, sondern auch für ihre Benutzer immer schwieriger zu verstehen und einzuordnen, beklagt Finanzaufseher Michel Prada.

„Noch nicht einmal zehn Prozent der Anleger verstehen diejenigen strukturierten Produkte, die sie in ihr Portefeuille nehmen“, sagt Urs Schneider, Präsident von Finance Watch im schweizerischen Carouge, der seit Jahren ein profunder Kenner der internationalen Derivateszene ist.

Eine Untersuchung des Instituts für Banking & Finance an der Zürcher Hochschule Winterthur (ZHW) bringt ein ähnliches Ergebnis. Fachleute wie Prada fordern daher mehr Transparenz und ein besseres Risikomanagement auf verschiedenen Ebenen der Entwicklungskette. Dies gelte auch im Hinblick auf die Risikobewertung der Produkte durch Ratingagenturen. Eine bessere Transparenz dieser verbrieften Produkte sei auch deshalb einzufordern, weil diese nicht selten an den nur wenig regulierten OTC-Märkten – also im Freiverkehr – gehandelt werden.

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