Risikomanagement
Wetterderivate: Das Geschäft nicht verhageln lassen

Derivate, die gegen Wetterrisiken absichern, haben sich einen festen Platz im Risikomanagement erobert. Eine steigende Anzahl von Unternehmen nutzt die Papiere - dennoch werden sie nur langsam salonfähig.

FRANKFURT. Die Welt erlebt recht turbulente Zeiten - und dies nicht nur aus Sicht der Finanzmärkte. Teilweise drunter und drüber geht es in dieser Zeit auch beim Klima und beim Wetter. Wirbelstürme, Überflutungen, Schneelawinen und Dürrekatastrophen sorgen in weiten Teilen der Welt Tag für Tag für chaotische Verhältnisse. Die daraus resultierenden Schäden sind gigantisch. Die sich mit Wetterrisiken beschäftigende Branchenorganisation Weather Risk Management Association hat erforscht, dass rund 30 Prozent des nordamerikanischen Bruttoinlandsprodukts direkt Wettereinflüssen unterliegen.

Gegen solche Risiken kann sich die Wirtschaft nicht nur durch traditionelle Versicherungen, sondern auch mit Hilfe von Wetterderivaten absichern. Dass diese synthetischen Finanzinstrumente jedoch nur langsam salonfähig werden, liegt vor allem an ihrer vergleichsweise schwierigen Ausgestaltung. Ungeachtet dessen weisen die Fachleute des Rückversicherers Swiss Re darauf hin, dass sich Wetterderivate in den besonders stark betroffenen Branchen wie Energie-, Agrar-, Bau- und Touristikwirtschaft "einen festen Platz im Risikomanagement erobert haben".

Im Gegensatz zu Finanzinstrumenten hat das Wetter als solches zwar keinen zu Grunde liegenden inneren Wert, doch sind aus massiven Wetterschwankungen resultierende Risiken in Form synthetischer Finanzprodukte bereits seit dem Jahr 1997 handelbar. Seinerzeit wurden die ersten beiden Kontrakte in den USA zwischen der Chemiefirma Koch Industries und dem inzwischen insolventen Energiehändler Enron abgeschlossen. Der einstmals bilaterale Markt hat inzwischen auch die Börse erreicht; denn an der weltgrößten Terminbörse Chicago Mercantile Exchange werden seit geraumer Zeit standardisierte Derivate auf Wetterrisiken angeboten. Andere Börsen - darunter auch die Eurex - scheiterten mit ähnlichen Plänen. Gleichwohl spielt sich der größte Teil des Geschäfts nach wie vor weiter auf der direkten bilateralen Ebene im Freiverkehr zwischen der Finanzbranche auf der einen und den von Wetterrisiken betroffenen Unternehmen auf der anderen Seite ab.

Dass es sich bei Wetter-Derivaten nicht um sinnlose und dubiose Produkte handelt, die der Phantasie geschäftstüchtiger und mathematisch begabter Banker entspringen, ist daran zu erkennen, dass die Weltbank seit Juni vergangenen Jahres ernst macht und Schwellenländern die Möglichkeit bietet, Risiken von Dürrekatastrophen und anderen witterungsbedingten Katastrophen durch den Einsatz von Wetterderivaten zu steuern. Den Anfang hat die Weltbank im Juni 2008 mit dem afrikanischen Staat Malawi gemacht.

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