Rohstoffanlagen
Öl-Zertifikate: Rollverluste per Vorkasse

Die Tücken von Rohstoffinvestitionen mit Open-End-Strukturen haben viele unerfahrene Anleger zu spüren bekommen, die von den steigenden Ölpreisen profitieren wollten. Eine Serie neuer Öl-Zertifikate verspricht nun bessere Renditechancen - durch mehr Transparenz.
  • 0

Rohöl-Indexzertifikate gehören seit Wochen zu den am häufigsten gehandelten Anlagezertifikaten. Doch viel Geld verdient hat damit kaum ein Investor - obwohl sich die Öl-Notierungen seit den Tiefs im Dezember spürbar erholt haben: So ist der Preis für Erdöl der Sorte Brent seit Anfang des Jahres von knapp 40 auf 52 US-Dollar je Barrel gestiegen. Typische Indexprodukte ohne Währungsabsicherung, wie das stark nachgefragte Zertifikat von RBS (WKN: 256678) legten im selben Zeitraum aber nur um einen Bruchteil des Ölpreisanstiegs zu (siehe Chart). Und selbst das ist nur dem gestiegenen Wert des US-Dollars zu verdanken. Öl-Papiere mit Währungsabsicherung sind entsprechend noch schlechter gelaufen. Ein Minus von rund zehn Prozent verbuchte beispielsweise ein Quanto-Zertifikat der Deutschen Bank (DB3DNA), das am Dienstag an der Euwax das umsatzstärkste Öl-Produkt darstellte.

Grund für die gravierende Underperformance: Zertifikate, mit denen Anleger auf Preisbewegungen beim Öl setzen können, haben als Basiswert nicht den aktuellen Tagespreis, sondern Öl-Future-Kontrakte. Aufgrund einer ungünstigen Konstellation an den Termin-Märkten entstehen bei längerfristigen Öl-Investments derzeit systematisch sogenannte "Rollverluste".

Gewagtes Versprechen

J.P. Morgan behauptet nun, eine Serie neuer, währungsgesicherter Öl-Indexzertifikate so konstruiert zu haben, dass "Rollverluste ausgeschlossen" seien. "Die Mitte April emittierten Quanto-Papiere mit Laufzeiten zwischen einem und vier Jahren ermöglichen Anlegern, von einer Aufwärtsbewegung des Ölpreises zu profitieren ", sagt Michael Schülli, Executive Director bei J.P. Morgan.

Ein gewagtes Versprechen, wenn man sich vor Augen führt, wie die Rollverluste bei futurebasierten, langlaufenden Strukturen entstehen: Bei derartigen Zertifikaten muss der Basiskontrakt immer wieder gegen einen neuen Kontrakt mit längerer Laufzeit getauscht werden. Meistens geschieht dies monatlich - im Fachjargon heißt es: die Kontrakte werden "gerollt". Je nach Preisdifferenz zwischen dem zu verkaufenden und dem zu kaufenden Kontrakt kann der Rollvorgang entweder einen positiven oder einen negativen Effekt haben. Wie sich der Effekt bis zum Laufzeitende bzw. Veräußerungszeitpunkt des Zertifikats per Saldo auswirkt, hängt von der jeweiligen Konstellation am Futuresmarkt, der sogenannten Terminkurve, ab. Sie bildet die Preise von Future-Kontrakten unterschiedlicher Fälligkeiten ab.

Seite 1:

Öl-Zertifikate: Rollverluste per Vorkasse

Seite 2:

Kommentare zu " Rohstoffanlagen: Öl-Zertifikate: Rollverluste per Vorkasse"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%