Rückzieher vor Prozess
Fraspa entschädigt die Lehman-Brothers-Anleger

Die Frankfurter Sparkasse hat kurz vor der ersten BGH-Verhandlung über Falschberatung beim Verkauf von Papieren der Pleitebank Lehman Brothers einen Rückzieher gemacht. Die betroffenen Anleger werden entschädigt.
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FrankfurtKurz vor der ersten BGH-Verhandlung über Falschberatung beim Verkauf von Papieren der Pleitebank Lehman Brothers hat die Frankfurter Sparkasse einen Rückzieher gemacht. Die Sparkasse nahm in zwei Fällen ihre Revision zurück und entschädigt nun die betroffenen Anleger, wie ein Sprecher des Instituts am Donnerstag sagte. Sie hatten auf Rat ihrer Sparkasse jeweils für mehrere tausend Euro Zertifikate der US-Investmentbank Lehman Brothers gekauft, die mit der Pleite des Bankhauses praktisch wertlos
wurden. 

Eigentlich sollten die beiden Fälle vor dem Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe verhandelt werden. „Wir haben uns das nochmal angeschaut und sind jetzt zu einer anderen Meinung gekommen“, erklärte der Fraspa-Sprecher. Damit seien die Oberlandesgerichts-Urteile gegen die Sparkasse rechtskräftig. Der BGH bestätigte die Rücknahme der Revision. Der für Dienstag kommender Woche (12.4.) angesetzte Verhandlungstermin wurde aufgehoben (Az. XI ZR 85/10 und XI ZR 294/10). 

Die Gegenseite warf der Frankfurter Sparkasse (Fraspa) vor, die Öffentlichkeit eines BGH-Verfahrens zu scheuen. „Die Resignation der Sparkasse kommt einem Sieg der Anleger gleich, auch wenn ich diesen Sieg gerne auf dem Spielfeld und nicht durch Aufgabe des Gegners erreicht hätte“, ließ Anwalt Matthias Schröder mitteilen.  

Die Fraspa hatte wie andere Sparkassen etlichen Kunden Zertifikate verkauft. Zwar nahmen 95 Prozent der etwa 5000 Betroffenen das Angebot der Fraspa zum Rückkauf der Papiere zu 50 Prozent des Nominalwertes an. Dennoch sind nach jüngsten Angaben der Sparkasse noch etwa 125 Klagen anhängig.  

In dem einen Fall, der vor dem BGH verhandelt werden sollte, hatte ein Anlageberater der Sparkasse dem Ehemann einer späteren Klägerin im Sommer 2007 telefonisch empfohlen, Lehman-Zertifikate zu erwerben. Der Rechtsanwalt investierte daraufhin 7000 Euro in sogenannte „Twin-Win-Zertifikate“. Das OLG Frankfurt verurteilte die Sparkasse in diesem Fall im Februar 2010 in zweiter Instanz wegen mangelhafter Beratung zur Zahlung von 7000 Euro Schadenersatz.

Im zweiten Fall hatte ein Anleger gleichfalls auf telefonischen Rat der Fraspa „DAX-Kupon-Zertifikate 03/2008“ zum Nennwert von insgesamt 25 000 Euro gekauft. In den Vorinstanzen hatten die Kläger Erfolg: Die Fraspa habe zwar nicht auf eine mögliche Insolvenz von
Lehman Brothers hinweisen müssen, da das Bankhaus bis kurz vor der Pleite positive „Ratingnoten“ erhalten habe; jedoch hätten die Berater ausführlicher über die Kündigungsbedingungen der Zertifikate aufklären müssen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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