Saudi-Arabien
Die Wüste lebt, Investoren kommen

Als erzkonservativ galt das Land der Pilgerstädte Mekka und Medina bisher. Nun zündet der weltgrößte Ölförderer den Turbo zur Modernisierung.
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Berlin, FrankfurtEinen Kilometer soll sich der Dschidda-Tower in den Himmel recken und somit einen neuen Weltrekord markieren: Der höchste Wolkenkratzer der Welt, deutlich länger als der 828-Meter-Turm Burj Khalifa in Dubai, soll schon von weitem jedem zeigen, dass Saudi-Arabien der wichtigste Petrostaat der Welt ist: Die Kingdom Holding des mit einem geschätzten Vermögen von 20,4 Milliarden Dollar reichsten saudischen Unternehmers, Prinz Alwaleed Bin Talal, hat am Dienstag einen Vertrag zum Bau des Giganten bekanntgegeben. Errichtet werden soll das 500000 Quadratmeter Nutzfläche große und 1,2 Milliarden Dollar teure Gebäude demnach vom saudischen Bauriesen Bin Laden Group.

Damit nimmt auch die auf 5,3 Millionen Quadratmetern geplante King Abdullah Economic City (KAEC) nördlich der Hafenstadt Dschidda am Roten Meer Gestalt an. Seit 2005 lässt König Abdullah nun den Developer Emaar aus Dubai und die saudische Investitionsbehörde (Saiga) die modernste Stadt der Welt im Wüstensand aus Beton, Marmor, Stahl und Glas bauen: Noch mehr Touristenmagnet als die Glitzerstadt Dubai, noch edlere Shopping-Malls als in Katars Hauptstadt Doha, mehr Forschungszentren als in Abu Dhabi und der modernste Hafen der Welt.

Mega-Investitionsprojekte für 900 Milliarden Dollar locken Investoren

Dazu kommen ausländische Großinvestoren der ersten Reihe wie der Pharmariese Sanofi-Aventis, der IT-Konzern Cisco, die Ölfirma Total oder der Süßwarenhersteller Mars. Sie sollen KAEC zur modernsten Metropole am Golf machen. Und fast einer Revolution gleich kommt es im streng islamischen Saudi-Arabien, dass es Frauen in KAEC erlaubt sein soll, allein in Cafés zu gehen und vielleicht sogar Auto zu fahren. KAEC soll der Schmelztiegel für junge Saudis und immer mehr sogenannte Expats werden, hochbezahlte Experten aus den Industriestaaten.

Eine Million Jobs sollen bis 2020 in der zwischen den heiligen islamischen Städten Mekka und Medina gelegenen KAEC für die saudische Jugend entstehen. Denn 40 Prozent der Königskinder sind jünger als 15 Jahre. Das ist Fluch und Segen zugleich: Einerseits hat König Abdullah Bin Abd al-Aziz Al Saud – im Unterschied zu den Herrschern in Katar, den Emiraten oder Bahrain – eine relativ große Bevölkerung zu umsorgen, die immer stärker unter Arbeitslosigkeit leidet.

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  • auf diese weise zeigen die araber, dass sie den oelreichtung intelligenter investieren, als gewisse grössenwahnsinnige despoten in nord- und westafrika oder südamerika. in jenen länder ist der oelreichtum auch ein grosser fluch !

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