Schweiz
Diese Aktien trotzen dem starken Franken

Am Wochenende wird in der Schweiz gewählt. Neue politische Volten sind nicht zu erwarten. Doch die Wahl könnte den Schweizer Franken und damit auch die Aktien beeinflussen. Welche Werte besonders interessant sind.

FrankfurtEs ist Wahlkampfzeit in der Schweiz. Am 18. Oktober entscheiden die Eidgenossen über die Zusammensetzung des Parlaments. Dabei werden die 200 Mandate des Nationalrates und 45 der 46 Mitglieder des Ständerates neu gewählt. Hauptthema ist die Ausländerfrage. Schotten sich die Schweizer weiter ab? Welchen Zulauf haben die Rechtspopulisten? Dabei geht ein wichtiges Zukunfts-Thema völlig unter: Könnten sich die Schweizer einen Beitritt zur Europäischen Union und zum Euro vorstellen?

Gerade der Beitritt zum Euro würde das derzeit drängendste Problem der schweizerischen Wirtschaft lösen: Als im Januar die Wechselkursbindung des Franken zum Euro aufgelöst wurde, sorgte der sogenannte „Frankenschock“ dafür, dass die ohnehin sehr feste Währung gegenüber dem Euro auf einen Schlag um 20 Prozent aufwertete. Eine der Folgen war, dass das Schweizer Börsenbarometer, der SMI, im selben Atemzug 15 Prozent verlor. Es war die Vorahnung der Börsianer, dass sich der starke Schweizer Franken immer mehr zur Konjunkturbremse erweisen würde.

Tatsächlich sind Firmen, die im direkten Wettbewerb mit Anbietern aus dem Euro-Raum stehen, in den vergangenen Monaten spürbar unter Druck geraten. Dazu zählen unter anderem der Einzelhandel und die Reisebranche. Ein Beispiel dafür ist die Kuoni Reisen Holding, deren Aktienkurs seit Anfang des Jahres um rund 40 Prozent gefallen ist. „Für Schweizer ist es günstig, zum Einkaufen über die Grenze zu fahren oder im Internet bei einem deutschen Reiseportal zu buchen“, erklärt Marc Cujai, von MC Vermögensmanagement in Liechtenstein.

Der starke Franken ist beim Einkauf in Euro-Land für die Schweizer ein Segen, für exportorientierte schweizerische Unternehmen, die vorwiegend in der Schweiz produzieren, jedoch ein Fluch. Der Beitritt zum Euro würde das Problem lösen. Einerseits. Andererseits ist das Thema derzeit tabu.

„Eine europafreundliche Politik gehört unter anderem zum Parteiprogramm der SP, der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz. Doch angesichts der vielen ungelösten Probleme in der EU und der Euro-Zone würde kein schweizerischer Politiker heute auf die Idee kommen, einen EU- oder Eurobeitritt zum Wahlkampfthema zu machen“, so Cujai. Mit dem Franken ist schließlich auch ein Stück Nationalstolz verbunden.

„Die stabilste Währung der Welt und ein großer Teil Wohlstandssicherheit in der Schweiz würden mit der Einführung des Euro verschwinden“, sagt Holger Kunicke von Finum rivate Finance, der weitere Argumente gegen einen Beitritt zur Währungsunion und damit zur EU ins Feld führt: Die Schweiz als kleiner und zahlungskräftiger Staat ginge mit einem EU-Beitritt enorme finanzielle Verpflichtungen ein, so Kunicke. „Statt acht Prozent hätten wir zudem mindestens 15 Prozent Mehrwertsteuer. Das wäre eine riesige Zusatzbelastung für die Hochpreisinsel Schweiz“, rechnet der Finanzplaner vor. Sein Fazit: Der Euro kommt im Land der Alphörner nicht.

Wie sich der starke Franken auf die Börse auswirkt, lässt sich mit zehn Monaten Abstand zum „Frankenschock“ gut besichtigen. Die schlechte Nachricht: Bis heute hat sich der Markt für Schweizer Aktien nicht erholt. Der SMI hat seit Jahresbeginn 7,3 Prozent an Wert verloren und notiert derzeit bei rund 8.300 Punkten. Die gute Nachricht aber lautet: In der jetzigen Situation zeigt sich, dass viele Unternehmen gut mit der starken Heimatwährung umgehen können.

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