Sie waren jahrelang nur etwas für die Spezialisten
Gewinn im Einkauf: Discountzertifikate

Sie waren jahrelang nur etwas für die Spezialisten unter den Zertifikate-Anlegern. Das liegt an ihrem Aufbau.

Er ist vergleichbar mit einem Profigeschäft, das an den Terminbörsen seit Jahrzehnten üblich ist und zu zweistelligen jährlichen Renditen führen kann: dem Covered Call Writing - dem Schreiben einer gedeckten Option. Dahinter verbirgt sich der Verkauf einer Kaufoption auf eine Aktie, die der Anleger selbst besitzt. Diese komplizierte Transaktion ist im Discountzertifikat bequem in einem Papier gebündelt. Der doppelte Effekt für den Käufer: Er erhält die Aktie, auf die sich das Papier bezieht, mit einem Abschlag - daher der Name. Dafür gibt er sich im Gegenzug mit einem begrenzten Gewinn zufrieden.

Wie dieses Papier funktioniert, zeigt ein Beispiel mit der Aktie der HypoVereinsbank zu einem Kurs von 18,60 Euro. Über ein Discountzertifikat ist die Aktie für 16,50 Euro zu haben, ein Rabatt von 11,3 Prozent. Dafür aber kann das Zertifikat bis zum Ende der Laufzeit (22. Dezember 2006) nicht über die Gewinngrenze (Cap) bei 20 Euro hinaus steigen. Das ist ein Maximalertrag von 21,1 Prozent.

Von der Transaktion, die in dem Zertifikat verpackt ist, bekommt der Anleger nichts mit. Über den Kauf des Papiers fließt das Geld zunächst an den Emittenten. Der erwirbt damit die entsprechende Aktie, in diesem Fall der HypoVereinsbank, und verkauft gleichzeitig eine Kaufoption mit Basispreis 20 Euro - oft über die Emission entsprechender Call-Optionsscheine wiederum an private Anleger. Der Erlös aus dem Verkauf der Option ermöglicht den Rabatt.

Steigt die HypoVereinsbank nun bis Ende der Laufzeit des Zertifikats auf 20 Euro, zieht das Zertifikat voll mit. Der 20er-Call, mit dem der Rabatt finanziert wurde, verfällt wertlos - dessen Käufer erleidet einen Totalverlust. Steigt die Aktie über 20 Euro, bekommt der Call einen inneren Wert. Von diesem Zuwachs profitiert nicht mehr der Besitzer des Discounts, sondern nur noch der Inhaber des Calls.

Discountzertifikate haben sich mittlerweile weiterentwickelt. Am wichtigsten sind so genannte Rolling Discounts. Hier wird der Ertrag aus mehreren kurzfristigen Discountgeschäften aneinander gereiht.

Chancen und Risiken

Chancen: Wenn Kurse auf der Stelle treten, nur leicht fallen oder leicht steigen, können Discounts ihre Vorteile ausspielen. Der Rabatt im Einkauf ermöglicht einen Gewinn, der aufs Jahr gerechnet bei einer durchschnittlich riskanten Aktie derzeit um die zehn Prozent pendelt. Aber auch wenn es an den Börsen heiß her geht, bieten Discounts etwas. Verantwortlich dafür ist das Optionsgeschäft im Discount. Der Preis der Optionen hängt davon ab, wie heftig der Basiswert schwankt. Schwankt er stark, sind Optionen teuer und der Rabatt entsprechend groß.

Risiken: Discountzertifikate haben dank ihres Rabatts zwar einen Puffer, immun gegen Kursrückschläge sind sie aber nicht. Sinkt eine Aktie um 30 oder 40 Prozent, ist ein Rabatt von zehn Prozent nur ein Trostpflaster. Andererseits ist auch die Gewinngrenze in vielen Fällen ziemlich knapp. So ist in normalen Börsenzeiten die Kombination eines Puffers von zehn Prozent mit einem maximalen Gewinn von zehn Prozent auf ein Jahr gerechnet keineswegs attraktiv. Und sollten die Aktien durchstarten, sind Discountanleger nicht mit von der Partie.

Einsatzmöglichkeiten der Discounts

Discounts sind unter zwei Voraussetzungen sinnvoll: Erstens muss der Basiswert gute Anlageaussichten versprechen, zweitens muss die Relation zwischen Puffer und maximalem Risiko ausreichend groß sein. So bietet eine lebhafte Aktie wie Continental derzeit aufs Jahr gerechnet jeweils etwa 13 bis 14 Prozent an Rabatt und maximalem Gewinn. Je nach Einschätzung lässt sich diese Spanne verschieben: Wer sich mit zehn Prozent Maximalgewinn zufrieden gibt, kann den Discount in Richtung 20 Prozent vergrößern.

Bei einem noch größeren Discount bekommt das ganze Investment einen anderen Charakter: Aus einer Aktienanlage wird dann ein Geschäft ähnlich einer Hochzinsanleihe. Das ist bei so genannten Deep Discounts der Fall. Hier liegt die Gewinngrenze so weit unter dem aktuellen Kurs des Basiswerts, das die Gefahr eines Verlusts ziemlich unwahrscheinlich wird. Der maximal mögliche Gewinn beträgt dann aufs Jahr gerechnet vielleicht nur noch fünf oder sechs Prozent, doch der ist vergleichsweise sicher - und nach einer Laufzeit von mehr als zwölf Monaten steuerfrei.

Quelle: Wirtschaftswoche Nr. 22 vom 26.05.2005 Seite 104 ff.

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