Skandinavien-Zertifikate
Investieren in die Gewinner der Finanzkrise

Kaum ein Land ist so problemlos durch die Finanzkrise gekommen wie Norwegen. Ein Grund: Regierung und Zentralbank haben konsequent reagiert. Zudem federn die Erlöse aus dem Ölgeschäft viele Härten ab. Damit hängt Norwegen nicht nur die skandinavischen Nachbarn ab. Die Börse in Oslo zählt international zu den großen Gewinnern. Auch deutsche Anleger können am Eroflg teilhaben.
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DÜSSELDORF. Glückliche Norweger. Erst gewinnen sie den Eurovision Song Contest, und jetzt bescheinigt ihnen eine Uno-Studie, dass Norwegen das Land mit der weltweit höchsten Lebensqualität ist, dicht gefolgt von seinen Nachbarn Schweden, Finnland, Dänemark und Island, die sich allesamt unter den Top 20 wiederfinden.

Zu den glücklichen Menschen im Norden zählen seit einigen Monaten auch wieder die Börsianer. Seit März ziehen die Aktienkurse in den skandinavischen Ländern kräftig an. So sind etwa Zertifikate auf den dänischen OMX Copenhagen 20 Index (zum Beispiel von der RBS, WKN: ABN944) und den schwedischen OMX Stockholm 30 Index (WKN: CB17XQ von der Commerzbank) in den vergangenen sieben Monaten jeweils um rund 35 Prozent gestiegen. Der Skandinavien Performance Basket der Raiffeisen Centro (WKN: RCB7UD) und das Indexzertifikat von der RBS auf den Dividendenindex DJ Stoxx Nordic Select 20 verzeichneten im selben Zeitraum einen Wertzuwachs von über 40 Prozent.

Das Commerzbank-Zertifikat auf den Oslo Bors Price Index (WKN: CB07MF) hat gar um rund 85 Prozent zugelegt. Die Hausse in Oslo ist jedoch nicht nur ein zusätzlicher Grund für die Norweger, sich ihres Lebens zu freuen, sondern auch ein Hinweis darauf, dass es deutliche Unterschiede in der wirtschaftlichen Entwicklung der verschiedenen skandinavischen Länder gibt.

Norwegen: Gute Politik, stabile Wirtschaft, starke Währung

"Norwegen hat am schnellsten und effektivsten auf die weltweite Finanzkrise reagiert", sagt Klaus-Ulrich Braun, Skandinavien-Analyst der Deka-Bank. "Die Zentralbank hat sehr konsequent die Leitzinsen gesenkt. Gleichzeitig hat der norwegische Staat Stützungsmaßnahmen ergriffen und fiskalische Anreize geschaffen, um die Konjunktur zu stärken. Das Ganze wird bereits in diesem Jahr wirksam", so Braun.

Zusätzlich profitiert das norwegische Wirtschaftswunder von einem Joker, der Norwegen eine Sonderstellung unter den Wikingerstaaten verschafft: Das Land erzielt dank seiner Erlöse aus der heimischen Ölförderung seit Jahren hohe Einnahme-Überschüsse, die Staatsfinanzen sind gesund. "Norwegens finanzieller Handlungs-Spielraum ist deshalb größer als der der meisten anderen Staaten", erklärt Braun.

Bis 2008 war Norwegens Verschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) auf 44,2 Prozent gesunken. Nach Berechnungen des Finanzministeriums wird sich diese Quote im kommenden Jahr zwar auf über 50 Prozent erhöhen, bis 2012 soll sie aber wieder auf unter 40 Prozent zurückgeführt werden. Zum Vergleich: 2010 wird Deutschland ein Haushaltsdefizit von 4,2 Prozent des BIP und eine Gesamtverschuldung von 72,3 Prozent ausweisen, so lautet die Prognose der EU-Kommission. Und der Verschuldungsgrad der USA liegt aktuell bei 375,9 Prozent des US-Bruttoinlandsprodukts.

Die Ölförderung vor Norwegens Küste hat auch großen Einfluss auf den Außenhandelswert des heimischen Geldes. Keine Währung in Westeuropa ist so stark vom Ölpreis abhängig wie die norwegische Krone. Norwegen ist der fünftgrößte Öl-Exporteur der Welt, und ein Großteil der gesamten Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes hängt am Preis des schwarzen Goldes. Rohöl, Gas und Teer machen zusammen rund 60 Prozent der norwegischen Ausfuhren aus. Deshalb stürzte mit dem Ölpreis im vergangenen Jahr auch der Wert der norwegischen Krone gegenüber Dollar und Euro ab.

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