Skandinavische Märkte
Europas Nordlichter bieten Kursfantasien

Im Vergleich mit den Börsen Skandinaviens bleiben viele andere internationale Handelsplätze ziemlich blass. Vor allem Norwegen spielt als fünftgrößter Ölexporteur der Welt unter den Wikingerstaaten eine wichtige Rolle.
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FrankfurtDie Börsen in Nordeuropa haben seit dem Start der globalen Aktienhausse im März 2009 deutlich höhere Gewinne verzeichnet als viele andere Handelsplätze auf der Welt. So glänzt Schwedens Leitindex mit einem Plus von über 130 Prozent, das norwegische Pendant liegt mit plus 125 Prozent knapp dahinter. Dänemarks Börsenbarometer hat sich fast verdoppelt. Zum Vergleich: Der MSCI World Index, der als Maßstab für die Entwicklung der weltweiten Aktienmärkte gilt, ist im gleichen Zeitraum „nur“ um rund zwei Drittel gestiegen. Abgehängt ist der Leitindex des krisengeschüttelten Euro-Raums, der ein Plus von 53 Prozent verzeichnet.

Auch in Zukunft bieten die Nordlichter Kursfantasie an den Märkten: „Fundamental steht es sehr gut um die Volkswirtschaften Skandinaviens“, sagt Karl G. Høgtun, Chef des Nordic Equities Teams beim Vermögensverwalter DnB NOR Asset Management. Den jüngsten Konjunkturprognosen zufolge werden die nordischen Länder im laufenden Jahr zusammen etwa 2,8 Prozent wachsen und damit die Staaten der Euro-Zone (1,7 Prozent) deutlich übertreffen. Zu der positiven Entwicklung tragen mehrere Faktoren bei: „Die nordischen Länder sind kleine, aufgeschlossene Volkswirtschaften mit einer langen Außenhandelstradition. Das schafft sehr gute Rahmenbedingungen: Ganz gleich, ob es um das Geschäftsklima, die Wettbewerbsfähigkeit, die Lebensqualität oder um Bildung geht – die Skandinavier liegen international jeweils auf den vorderen Plätzen“, so Høgtun.

Vor allem Norwegen profitiert dank einer Sonderstellung

Insbesondere der Energiesektor birgt angesichts der aktuellen Diskussionen um die Versorgungssicherheit in Europa besondere Chancen. Deshalb spielt Norwegen im Konzert der skandinavischen Länder eine besondere Rolle. „Die anziehende Weltwirtschaft belebt die Nachfrage nach Öl und Gas nachhaltig. Davon profitieren zum Beispiel die in Norwegen stark vertretenen Öl- und Ölservice-Unternehmen“, sagt Karl Høgtun. Diese Unternehmen sind ohnehin ein Joker, der Norwegen eine Sonderstellung unter den Wikingerstaaten verschafft: Das Land erzielt dank seiner Erlöse aus der heimischen Ölförderung seit Jahren hohe Einnahme-Überschüsse, die Staatsfinanzen sind gesund. Norwegens Verschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag in den vergangenen zehn Jahren im Durchschnitt bei 48,8 Prozent. Nach Berechnungen des Finanzministeriums wird sich diese Quote im laufenden Jahr auf 53,6 Prozent erhöhen. Zum Vergleich: 2011 wird Deutschland eine Gesamtverschuldung von 75,9 Prozent ausweisen, so die Prognose der EU-Kommission.

Die Ölförderung vor Norwegens Küste hat auch großen Einfluss auf den Außenhandelswert des heimischen Geldes. Keine Währung in Westeuropa ist so stark vom Ölpreis abhängig wie die norwegische Krone. Norwegen ist der fünftgrößte Ölexporteur der Welt, und ein Großteil der gesamten Wirtschaftsleistung des skandinavischen Landes hängt am Preis des schwarzen Goldes. Rohöl, Gas und Teer machen zusammen rund 60 Prozent der norwegischen Ausfuhren aus. Seit der Ölpreis wieder steigt, legt auch die Krone wieder zu. Aktuell ist eine Krone 0,129 Euro wert. Das sind rund 25 Prozent mehr als vor zwei Jahren. Die Rally könnte diesmal sogar ohne größere Preissprünge beim Öl noch eine Weile weitergehen.

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