Skepsis bei den Profis
Vermögensverwalter scheuen Derivate

Die Subprime-Krise hat das Image von Derivaten - vor allem von Kreditderivaten - beschädigt. Vermögensverwalter zeigen gegenüber diesen Instrumenten jetzt verstärkte Skepsis. Asset-Manager betrachten eine Diversifizierung des Emittenten-Risikos beim Einsatz von Zertifikaten als besonders wichtig.

FRANKFURT. Waren sie bei der Nutzung von Derivaten ohnehin bereits zurückhaltend, agieren Vermögensverwalter als Folge der Finanzkrise nun noch vorsichtiger. Überwiegend werden sie nur zur Absicherung bestehender Kursrisiken genutzt.

"Ich bin gar kein Freund von Derivaten", sagt Lutz Gebser, Gründer der seit 1994 existierenden Gebser & Partner Vermögensverwalter, der auch Vorstandsvorsitzender des Verbandes unabhängiger Vermögensverwalter (VuV) ist. "Jüngere Kollegen setzen Derivate und Zertifikate ein - allerdings in begrenztem Maße und vor allem zur Risikosicherung", sagt der ehemalige Deutsch-Banker.

So hat Gebsers Fondsmanager Wolfgang Schuhmann im Juli 2007 auf erste Anzeichen der Finanzkrise Absicherungsstrategien über Derivate umgesetzt. In Privatanleger-Portefeuilles setze man höchstens mal das eine oder andere Discountzertifikat ein. "Wir wollen die Unklarheiten der Märkte nicht noch verstärken", sagt Gebser, der Derivate als "Wundertüte" sieht. Man wisse oft nicht, was drin ist.

"Wir nutzen keine Derivate", sagt Frank Lingohr, Gründer und Geschäftsführer der seit 1993 aktiven Lingohr & Partner Asset Management. "Warren Buffett liegt mit seiner Einstufung von Derivaten als potenzielle finanzielle Massenvernichtungswaffen richtig", sagt Lingohr. Die Subprime-Krise zeige, dass zahlreiche der auf mathematischen Modellen beruhenden Derivate-Strukturen nicht beherrschbar seien, sagt auch Christoph Bost, Gründer der Vermögensberatung Dr. Bost & Compagnon.

Auch die Ceros Vermögensverwaltung AG setzt Derivate nur punktuell ein. "Und das vor allem in der Form von Stillhaltergeschäften und zur Absicherung bestehender Kursrisiken", sagt deren Vorstand Markus Ross. Seit dem Debakel am US-Immobilienmarkt und dem Platzen der Kreditderivate-Blase hat das Thema Bonitätsrisiko von Zertifikate-Emittenten bei Anlegern in Europa zunehmende Bedeutung.

Bekanntlich sind Zertifikate Schuldverschreibungen, die von Banken ausgegeben werden. Käufer dieser Finanzprodukte schenken der ausgebenden Bank also sehr viel Vertrauen. Die Finanzkrise hat jedoch gezeigt, dass das Kontrahentenrisiko von Derivaten - und eventuell auch von Zertifikaten - unterschätzt wurde. "Zertifikate können im schlechtesten Falle einer Finanzkrise also Ausfallrisiken bergen", sagt Gerald Kichler, der bei der Vermögensverwaltung Flossbach & Storch das Portfoliomanagement leitet.

Asset-Manager betrachten eine Diversifizierung des Emittenten-Risikos beim Einsatz von Zertifikaten als besonders wichtig. Man könne es sich nicht leisten, nur Zertifikate eines einzigen Emissionshauses ins Portfolio zu packen. Gerate der Emittent nämlich in finanzielle Not, bestehe für den Vermögensverwalter die Gefahr des Totalausfalls seiner Forderungen gegenüber dieser Bank. Wenn deutsche Vermögensverwalter Zertifikate zur Umsetzung der Aktienstrategie einsetzen, dann in der Regel Discount- und Bonuszertifikate auf Aktien und in geringerem Umfang auf Aktienindizes, wie die Handelsblatt-Umfrage zeigt.

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