Spread-freie Zertifikate auf den Euro Stoxx 50 bieten ein weitgestreutes Investment
Experten raten zum Einstieg in Euro-Aktien-Indizes

"Stockpicking" wird Anlegern oft empfohlen. Doch die Auswahl der Titel erfordert viele Informationen, kostet Zeit - und geht oft schief. Wer diese Risiken vermeiden will, sollte auf die Börsenindizes setzen - sie bestehen aus einer Vielzahl von Einzelaktien verschiedener Branchen und reduzieren so das Risiko. Zum Einstieg bieten sich neben Indexfonds Indexzertifikate als kostengünstige Alternative an.

FRANKFURT/M. Aktuell berichteten die Emittenten der Papiere von reger Nachfrage, insbesondere nach Zertifikaten auf den Deutschen Aktienindex (Dax) und auf das Euroland-Barometer Euro Stoxx 50. Der Vorteil der Zertifikate ist, dass keine Managementgebühren oder Ausgabeaufschläge anfallen; der Wert des Zertifikats schwankt im Gleichlauf mit dem Index. "Außerdem müssen Anleger nicht auf einen Fondsmanager Vertrauen, von dessen Kompetenz die Performanceentwicklung abhängt", ergänzt Andreas Raschdorf, Leiter Produktmanagement bei der DAB Bank. Dazu kommt: Mehrere Banken haben Dax- und Euro-Stoxx-50-Papiere ohne Spread (Differenz von An- und Verkaufspreis) begeben. Ein Haken der Papiere bleibt aber: Sie sind Inhaberschuldverschreibungen. Geht die Bank pleite, werden Anleger aus der Konkursmasse gleichrangig mit anderen Gläubigern bedient. Investoren sollten also nur Papiere von Banken erster Bonität kaufen.

Bei der Auswahl der Produkte sollten Investoren zudem wissen: Analysten und Strategen sehen aktuell für Euroland mehr Kurspotenzial als für den heimischen Markt. Bis zum Jahresende werden in den optimistischsten Prognosen Zuwächse beim Euro Stoxx 50 von über 17 Prozent erwartet, während dem Dax maximal gut 10 Prozent eingeräumt werden. Besonders optimistisch ist Aktienstratege Bernd Meyer von der Deutschen Bank: Er sieht den Euro Stoxx 50 dann bei 2 800 Stellen; aktuell notiert er bei etwa 2 380 Punkten. Tammo Greetfeld von der Hypovereinsbank rechnet bis zum Jahresende mit bis zu 2 650 Stellen, Christoph Hott von Sal. Oppenheim mit 2 600 Zählern.

Grund für die erwarteten Kursanstiege an den Börsen ist die gelockerte Geld- und Fiskalpolitik in den USA. Springt dadurch die Konjunktur endlich an, wären steigende Kurse an den internationalen Handelsplätzen die Folge. Dabei sehen Experten in Euroland ein stärkeres Nachholpotenzial als in Deutschland. "Europäische Aktien sind so bewertet, als würde es ein null Gewinnwachstum geben, was nicht realistisch ist", sagt Fondsmanager Mark Glazener von Robeco Asset Management. Angesicht der Restrukturierungen könnten die Unternehmen in Europa selbst bei stabilen Umsätzen ihre Gewinne steigern.

Euroland kommt gegenüber Deutschland auch bei denjenigen Analysten besser weg, die bis Jahresende nicht mit Kursgewinnen, sondern mit -verlusten rechnen. So betont Volker Borghoff von HSBC Trinkaus & Burkhardt, der starke Euro dürfte den Export in Europa drosseln. "Deutschland wird dabei noch schlechter wegkommen als andere europäische Länder, da die Ergebnisschätzungen der Unternehmen hier noch viel zu optimistisch sind."

Klar ist jedenfalls: Der mit Finanztiteln hochgewichtete Dax schwankt stärker als der mit Öl-, Pharma- und Nahrungsmittelaktien breiter aufgestellte Euro Stoxx 50. Für konservative Anleger sind daher Euroland-Papiere geeigneter. Allerdings haben diese Zertifikate einen Nachteil: Das Barometer ist ein Kursindex, in den keine Dividendenzahlungen eingerechnet werden, was beispielsweise beim Performanceindex Dax der Fall ist. Hier hat sich die Commerzbank etwas einfallen lassen: Sie bietet ein Papier auf den als Performanceindex berechneten Euro-Stoxx-50 an. Allerdings weist das Zertifikat einen Spread auf.

Quelle: Handelsblatt Nr. 124 vom 02.07.03, Seite 29

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