Staatsanleihen
Optionsschein-Käufer wetten gegen Hausse am Anleihenmarkt

Am Markt für Staatsanleihen jagt seit Monaten ein Rekord den nächsten. Die Renditen deutscher Bundesanleihen rangieren auf Tiefständen, bis Anfang des Monats lag die Rendite noch unter 3,20 Prozent. Spiegelbildlich sind die Anleihenkurse drastisch gestiegen. Anleger, die nicht an weiter steigende Kurse glauben, können mit Derivaten gegen die Kursentwicklung von Bundesanleihen spekulieren. Gleichzeitig ist eine solche Spekulation auch eine Absicherung gegen steigende Zinsen.

DÜSSELDORF. Anleger können mit strukturierten Produkten auf ein Ende des Booms setzen. "Vor allem tief im Geld liegende Put-Optionsscheine auf den Bund Future bieten sich für Anleger an, die wenig Erfahrung mit Derivaten haben", sagt Rune Hoffmann, Derivate-Experte der Börse Stuttgart. Im Geld bedeutet, dass der Basispreis des Put-Optionsscheins über dem aktuellen Kurs des Bund Future liegt. Der Future bildet die Erwartung des Marktes über die zukünftige Entwicklung der Anleihenkurse ab. "Zwar ist die Hebelwirkung tief im Geld kleiner als bei spekulativeren Papieren, das Risiko eines Totalverlusts ist aber auch geringer", sagt Hoffmann. Je näher der Kurs des Bund Futures dem Basispreis des Optionsscheins kommt, desto größer wird der Hebel. Gleichzeitig steigt das Risiko, dass der Optionsschein-Kurs stark sinkt. Ein Hebel von fünf bedeutet beispielsweise, dass der Kurs des Optionsscheins um fünf Prozent steigt oder fällt, wenn der Future sich um ein Prozent bewegt. Diese Produkte sind nicht neu. "Anfang der neunziger Jahre gehörten Zinsoptionsscheine bezogen auf den Bund Future zu den beliebtesten Derivateprodukten. Seit Mitte vergangenen Jahres nehmen wir wieder zunehmendes Interesse für diese Produkte wahr", sagt Klaus Oppermann, Leiter der Derivateabteilung bei der Commerzbank.

Als Alternative eigenen sich auch Knock-out-Produkte, die bei gleicher Basis größere Hebel, aber auch mehr Risiko bergen. Wenn der Basiswert eines solchen Produkts im Handel die Knock-out-Schwelle berührt, wird der Schein wertlos. "Einsteigern würde ich nicht zu Knock-outs raten", sagt Hoffmann. "Denn es bleibt bei solchen Produkten keine Zeit um Verluste auszusitzen."

Für Anleger, die das Knock-out-Risiko in abgeschwächter Form auf sich nehmen wollen, bieten sich Stopp-Loss-Turbos von Goldman Sachs oder Mini-Futures von ABN Amro an. Diese Derivate sind zwar Knock-out-Produkte, allerdings mit eingebauter Verlustbegrenzung - einer Stopp-Loss-Schwelle. Ist dieses Schwelle beim Bund Future erreicht, dann zahlt der Emittent den Restwert des Papiers zurück.

Beim Rolling-Turbo investiert die Investmentbank das Geld alternativ in neue Stopp-Loss-Papiere mit angepassten Kursschwellen. "Auch in der defensiven Variante, mit einer Basis, die weit vom aktuellen Bund Future entfernt ist, verfügt das Produkt momentan über einen angenehmen Hebel von nahezu zehn Prozent", sagt Dirk Heß, Derivateexperte bei Goldman Sachs.

Die Banken können die Papiere mit Derivaten absichern, die nur institutionellen Anlegern zugänglich sind. Eine wichtige Rolle spielen dabei Bund Futures, die nur in 100 000-Euro-Stücken gehandelt werden. Auf die Kontrakte gibt es auch standardisierte Optionen, die nur von termingeschäftsfähigen Anlegern gehandelt werden können. Andreas Woitzik, geschäftsführender Gesellschafter der Deutsche Derivate Vermögensverwaltung in Zürich fordert, Privatanlegern solche Instrumente zugänglich zu machen. "Hier hat der Anleger nur den Kapitalmarkt gegen sich", sagt er. Die Kurse entstehen an der Börse aus Angebot und Nachfrage. Bei den strukturierten Produkten werden sie von den Emittenten gestellt.

Auch ein anderer Umweg lässt sich als Spekulation auf das Ende der Anleihenhausse nutzen: "Wer von fallenden Anleihekursen ausgeht, kann theoretisch auch drauf setzen, dass die Aktien steigen," sagt Hoffmann. "In jüngster Vergangenheit hat dieser Zusammenhang aber nicht funktioniert. Da sind Aktien und Anleihen gestiegen."

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