Staranalyst
Kollaps von MF Global ist ein Warnsignal

Der Zusammenbruch des Derivatebrokers MF Global in der vergangenen Woche ist nach Ansicht von US-Staranalyst Mike Mayo ein Warnsignal. An der Wall Street habe sich seiner Meinung nach immer noch nicht viel geändert.
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New YorkDie US-Wirtschaft und die US-Banken stünden vor eine Phase geringen Wachstums. „Wenig Gewinnwachstum ist nicht das Ende der Welt. Aber man muss bereit sein, das zu akzeptieren. Wenn man das nicht tut, kann es einem gehen wie MF Global“, sagte Mike Mayo, Bankenstaranalyst bei der französischen Großbank Credit Agricole, der als einer von nur ganz wenigen Experten die Finanzkrise bereits seit 1999 hatte kommen sehen.

Der von Ex-Goldman- Chef Jon Corzine geführte Derivatebroker habe sich mit der neuen Realität nicht anfreunden können und versucht, Wachstum zu kreieren, wo keines ist, so Mayo. Zu diesem Zweck war der Finanzdienstleister eine milliardenschwere, riskante Wette auf die Erholung von Euro-Staatsanleihen eingegangen.

Als mit der Einigung in Europa de facto der Schuldenschnitt für Griechenland beschlossen wurde, ließen die riesigen Verluste die Firma implodieren. „Dieser Kollaps ist kein Systemrisiko, aber ein Warnsignal“, so Mayo. Allen Beteuerungen der Banken zum Trotz hat sich Mayos Meinung zufolge an der Wall Street wenig geändert. „Die Banken sind immer noch so aufgestellt, dass sie kurzfristig Gewinne maximieren, damit die Leute an der Spitze schnell mehr Geld bekommen.“

Anders als der andere große Krisenprophet, der New Yorker Wirtschaftsprofessor Nouriel Roubini, der die Ursache für die Krise in der Deregulierung des Kapitalismus sieht, erkennt Mayo den Strickfehler woanders: „Die Krise wurde nicht durch zu viel, sondern durch zu wenig Kapitalismus hervorgerufen“, glaubt er. Weil die Banken ihren Anteilseignern nicht die Möglichkeit geben, schwache Manager zu feuern, statt sie zu belohnen, und weil die Analysten nicht ausreichend Zugang zu den Büchern der Institute erhielten, würden die Selbstregulierungskräfte des Marktes nicht funktionieren.

Sein Vorschlag: Es würde ausreichen, wenn der Gesetzgeber die Banken zwingen würde, alles, was „fundamental wichtig“ sei, sofort zu veröffentlichen. Gleichzeitig müssten Großaktionäre mehr Rechte bekommen, Manager auszutauschen oder deren Gehälter zu kontrollieren. „Es gibt 5000 Analysten. Fünf Prozent davon beobachten die Finanzbranche. Wenn dieses Heer von Analysten in die Lage versetzt würde, den Job richtig zu machen, bräuchte es keine Regulierungsgesetze von mehreren Tausend Seiten“, sagt Mayo.

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  • "... Mike Mayo ..... der als einer von nur ganz wenigen Experten die Finanzkrise bereits seit 1999 hatte kommen sehen."

    Wo haben Sie den die Information her, Herr Benders? Ich konnte insoweit nur ermitteln
    "The 46-year-old Mayo gained recognition in 1999 at Credit Suisse AG for correctly taking a bearish stance on bank stocks when other analysts remained bullish."
    (http://www.bloomberg.com/apps/news?pid=newsarchive&sid=agPfpHrb0n5c&refer=home)

    Etwas mehr Sorgfalt wäre in derartigen Dingen schon geboten; schließlich ist das Handelsblatt nicht die Bild-Zeitung!

  • soso ein Heer von 250 'Aufrechten' werden die Banken so analysieren, daß solche Fehlentwicklungen verhindert werden.
    Solange Wetten auf den Dax und andere Indices, auf Rohstoffe und Lebensmittel nicht als solche behandelt(und versteuert) werden, ändert sich gar nichts. Wenn bei solchen Derivaten draufstehen würde, ab 18- Glücksspiel kann süchtig machen und 75 % des Gewinns in die staatliche Wohlfahrt fließen, wäre doch allen geholfen. Die Zocker können sich weiterhin auch abseits der Casinos austoben und der Staat hat mehr Geld.

  • Grundsätzlich ist richtig, dass die Politik die Marktmechanismen außer Kraft gesetzt hat, weil man die Konsequenzen scheut. Insofern bedarf es bestimmt keiner neuen Regularien. Eine strenge Regelung gehört mE aber im Bereich des Eigenhandels mit Derivaten her. Es darf einfach nicht sein, dass sich eine Gesellschaft wie die MF Global zu Tode spekulieren kann. Hätte diese Firma nur das selbst erwirtschaftete Geld verzockt, wäre sie niemals in eine solch fatale Lage gekommen. Auch der Derivatehandel gehört kräftigst eingeschränkt, denn diesen Gewinnen steht keine Arbeitsleistung gegenüber, sondern höchstens der Verlust der anderen Trader. Grob gesagt entsteht also immer eine Schieflage, wenn sich Gewinne und Verluste nicht ausgleichen. Durch die Hebelwirkung diverser Produkte kann sich diese Schieflage immens verschärfen. Obwohl Investmentbanken gegenüber privaten Tradern, deren Waffen nur stumpf sind, enorm im Vorteil sind, gelingt auch dort nicht jeder Deal wie wir bei UBS u BNP gesehen haben. Da mit so unwahrscheinlich hohen Beträgen gehandelt wird, ist es nicht auszuschließen, dass ein einzelner Händler seine Bank in den Konkurs stürzen kann. Genau das muss durch staatliche Regulierung in Zukunft verhindert werden!

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