Strategie-Zertifikate
Zertifikate: Profi-Strategien für jedermann

Strategie-Zertifikate setzen auf statistische Auffälligkeiten in der Vergangenheit. Anleger können davon profitieren, sollten aber trotzdem nicht blauäugig jeder Investment-Idee hinterher rennen. Denn längst nicht jedes Zertifikat erfüllt die hohen Erwartungen.
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DÜSSELDORF. „Das Auf und Ab an der Börse ist so willkürlich wie der Schlingerkurs eines Besoffenen.“ Mit dieser provokanten These, nach der sich die Entwicklung von Aktienkursen und Währungen nicht prognostizieren ließe, machte sich der Mathematiker Louis Bachelier im Jahr 1900 in der Finanzwelt unbeliebt. Er emeritierte als zweitklassiger Professor der Provinzuniversität Besançon und wurde vergessen.

70 Jahre später wurde ein anderer kluger Kopf, nämlich Paul Samuelson, für eben jene These mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Er ging sogar weiter als Bachelier und behauptete, dass selbst dann, wenn alle Anleger sich rational verhielten, die Entwicklung von Börsenkursen nicht vorhersehbar sei. Samuelson spottete, ein privater Anleger könne ebenso erfolgreich sein wie die professionellen Analysten, wenn er – statt auf die Analysten zu hören – einen Affen Dartpfeile auf den Börsenteil einer Zeitung werfen ließe und die entsprechenden Aktien kaufte. Den Beweis dafür erbringen die Finanzprofis Jahr für Jahr selbst: Die Journalisten des Wall Street Journal nahmen Samuelson beim Wort und ließen seitdem rund 150 Mal die Börsengurus gegen den Dartpfeil antreten. In 40 Prozent der Fälle siegte der Affe.

Strategie-Zertifikate kosten mehr

Doch Finanzmathematiker geben sich trotz des eher ernüchternden Dart-Wettstreits noch lange nicht geschlagen. Denn der analytische Blick in die Börsenstatistiken der Vergangenheit hält immer wieder Überraschungen bereit, aus denen sich Strategien für die Zukunft ableiten lassen. Als Strategie-Zertifikate werden diese Erkenntnisse dann in Investmentprodukte umgesetzt. Vorteil für die Investment-Branche: „Für Zertifikate, die Handelsstrategien verbriefen, lassen sich in der Regel höhere Managementgebühren rechtfertigen als für simple Indexzertifikate“, sagt Florian Roebbeling vom Institut für Zertifikate Analyse (IZA).

Aber es gibt auch Vorteile für Anleger: „Die Emittenten geben privaten Anlegern zum Teil sehr hilfreiche Tools an die Hand – nämlich Investments, die man einfach auch mal längere Zeit im Depot liegen lassen kann“, so Roebbeling. Zumal nicht selten auch Handelssysteme verbrieft werden, die die Emittenten bereits erfolgreich für den Eigenhandel nutzen. „Mit Strategie-Zertifikaten können private Anleger mit erprobten Investment-Ansätzen Akzente im Portfolio setzen. Komplexe und professionelle Handelsstrategien, die bislang nur Profis vorbehalten waren, sind nun für Jedermann leicht handelbar. Das jedenfalls ist die Idee. Trotzdem müssen Anleger immer noch Entscheidungen treffen und ihr Depot unabhängig von solchen Einzelstrategien gut strukturieren. Denn es gibt keine Strategie, die in jeder Markphase optimal funktioniert“, sagt Lutz Johanning, Wirtschaftsprofessor an der WHU in Vallendar.

Die Geschichte der Strategiezertifikate in Deutschland ist bereits 13 Jahre alt. Damals, 1996, emittierte Merrill Lynch das German Top 12 Zertifikat. Der Aktienkorb fasste die Wertentwicklung der zwölf Dax-Werte mit den historisch höchsten Dividendenrenditen zusammen. Die einfache Überlegung: Wer hohe Gewinne erwirtschaftet und seine Aktionäre mit hohen Dividendenausschüttungen beglückt, wird an der Börse eher mit steigenden Kursen belohnt.

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