Streitgespräch über Rohstoffe: „Jeder kleine Landwirt spekuliert“

Streitgespräch über Rohstoffe
„Jeder kleine Landwirt spekuliert“

Ohne Hegde-Fonds fehlt den Märkten etwas, sagt Agrarpolitik-Professor Michael Schmitz. Unsinn, meint Foodwatch-Chef Thilo Bode, Spekulanten verursachen Hunger. Ein Streitgespräch über den Handel an Rohstoffmärkten.

Handelsblatt Online: Meine Herren, die Lebensmittelpreise sind in den vergangenen Jahren weltweit gestiegen. Sind daran Spekulanten schuld?

Thilo Bode: Für mich ist exzessive Spekulation mitverantwortlich für Hunger. Deshalb müssen wir sie verbieten.

Woran machen Sie das fest?

Bode: In den vergangenen Jahren ist massiv Geld von Spekulanten in Agrarrohstoffe geflossen. Seit dem Jahr 2000, als die Politik die Rohstoffterminbörsen für Investoren geöffnet hat, hat sich das Kapital am Terminmarkt von 15 Milliarden auf 600 Milliarden Dollar erhöht. Das hat zu Preisblasen und phasenweise höheren Lebensmittelpreisen geführt.

Michael Schmitz: Die Spekulation auf Terminmärkten kann nicht für die Preisentwicklung auf den Kassamärkten verantwortlich gemacht werden und der Hunger ist vor allem ein hausgemachtes Problem der Entwicklungsländer.

Bode: Aber hören Sie, das leugnen doch nicht mal die Rohstoffhändler!

Schmitz: Die Preisschwankungen waren Anfang der 70er Jahre ähnlich hoch wie heute – ohne große Zuflüsse an Kapital. Im Übrigen sind die Preise 2007/08 auch auf Märkten explodiert, wo keine Indexfonds aktiv waren wie beispielsweise bei Reis, und wo gar keine Terminmärkte existierten. Die Behauptung, dass Spekulation an den Terminmärkten die Lebensmittelpreise nach oben treibt, stimmt also nicht.

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