Strukturierte Produkte
Börse Stuttgart sucht Chancen in Nischen

Das abflauende Geschäft mit strukturierten Produkten belastet die Stuttgarter Börse. Künftig will sie den Handel mit weniger liquiden Finanzinstrumenten ausbauen. Welche Perspektiven der Börsenchef für seinen Standort sieht.

FRANKFURT. Der Markt für auf private Investoren zielende strukturierte Produkte wie Zertifikate, Optionsscheine und Aktienanleihen ist in der jüngsten Zeit in ein recht tiefes Loch gefallen. Dem waren in den vergangenen Jahren kräftige Wachstumsschübe vorausgegangen. Nun ist die Zahl der von Banken emittierten Produkte in den vergangenen Monaten immer stärker geschrumpft. Und schon wird in der Branche darüber gesprochen, dass mancher Emittent in nächster Zeit das Handtuch werfen könnte, sollte sich die allgemeine Lage an den globalen Finanzmärkten nicht entspannen.

Entscheidend wird dabei sein, ob das Top-Management der auf diesem Gebiet tätigen Banken den Bereich strukturierte Produkte weiterhin als ein strategisch bedeutsames Geschäft betrachtet und ob das Chance-Risiko-Potenzial solcher Geschäftsbereiche den vergleichsweise hohen Aufwand noch rechtfertigt.

Das abflauende Geschäft belastet auch die auf diesem Gebiet tätigen Börsen, die jetzt nach neuen Wegen für eine Ausweitung ihres Geschäftsmodells suchen müssen. Dies gilt nicht zuletzt auch für die Börse Stuttgart, die in der Vergangenheit sehr stark auf diesen Bereich gesetzt hat und sich hier eine führende Position in Europa verschafft hat. Im Handel mit strukturierten Produkten wie Zertifikaten, Optionsscheinen und Aktienanleihen liegt der Umsatzanteil der Stuttgarter Börse nach Angaben des Deutschen Derivate Verbandes bei rund 63 Prozent. Der Rest entfällt auf die Handelsplattform Scoach, die der Deutschen Börse AG und der Swiss Exchange zuzuordnen ist.

In Stuttgart werde auch in Zukunft die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine eine große Rolle spielen, sagt deren Vorstandsvorsitzender Christoph Lammersdorf im Handelsblatt-Gespräch. Die zweitgrößte Wertpapierbörse in Deutschland wolle in diesem Zusammenhang nicht nur auf Zertifikate und strukturierte Produkte setzen, sondern auch den Handel mit anderen, weniger liquiden Finanzprodukten in Zukunft noch ausweiten. Auch bei den in Deutschland derzeit existierenden rund 370 000 strukturierten Finanzinstrumenten gibt es einen solchen grundsätzlichen Mangel an Liquidität. Von dieser in den vergangenen Jahren stark ausgeweiteten Produktpalette findet lediglich in rund 50 000 Instrumenten überhaupt ein Handel an der Euwax statt. "Um diese Geschäfte reibungslos und fair für den Anleger abzuwickeln, ist menschliche Unterstützung notwendig", sagt Lammersdorf.

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