Strukturierte Wertpapiere
Wie Sie ein gutes Zertifikat erkennen

Zertifikate sind strukturierte Wetten auf einen bestimmten Basiswert - zum Beispiel auf eine Einzelaktie, einen ganzen Index, oder einen Rohstoff. Die Entscheidung für den Kauf eines Zertifikats fällt privaten Investoren oft schwer, denn ob das Papier Gewinn oder Verlust macht, hängt von vielen Faktoren ab. Hier erfahren Sie, worauf zu achten ist.
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FRANKFURT. Um Fehlspekulationen mit Zertifikaten zu vermeiden, brauchen Anleger vor allem eine Marktmeinung. Wichtig ist auch: Wenn das Institut, das die Zertifikate ausgibt, pleitegeht - wie vor einem Jahr die Bank Lehman Brothers - müssen die Anleger mit dem wertlosen Verfall ihrer Papiere rechnen.

1. Den Basiswert kennen
Investoren müssen den Basiswert eines Zertifikats kennen. Besonders bei Indexzertifikaten, auch Basketzertifikate genannt, müssen sie wissen, welche Aktien oder Rohstoffe in den "Körben" sind. Denn die Emittenten geben ihren Produkten manchmal Namen, die nicht auf deren Inhalt schließen lassen.

2. Die Struktur verstehen
Zertifikate bieten für jede Markterwartung eine passende Anlagestrategie. Rechnen Investoren mit einem steigenden Kurs des Basiswertes, erzielen sie mit Indexzertifikaten einen Gewinn, der dem des Basiswerts entspricht. Bonus-, Hebel- und Expressstrukturen dagegen versprechen eine Rendite, die sogar weit über der Wertentwicklung des Basiswertes liegen kann. Schließen Investoren moderat fallende Kurse nicht aus, bieten ihnen Discountzertifikate Schutz vor Verlusten (siehe "5. Gegen Verluste absichern"). Rechnen sie dagegen mit einem stark fallenden Basiswert, können sie darauf mit Reverse- und Shortzertifikate wetten. Garantiezertifikate zahlen ihren Investoren am Laufzeitende 100 Prozent des Kapitaleinsatzes zurück, selbst wenn der Basiswert gegen die anfängliche Markterwartung steigt oder fällt. Zertifikate, die unabhängig von jeder Kursentwicklung eine Rendite versprechen, sind nicht empfehlenswert.

3. Die Laufzeit beachten
Es gibt Zertifikate mit und ohne Laufzeitbegrenzung. Bei den meisten Strukturen erreichen die Produkte erst am Laufzeitende den erwarteten Wertzuwachs. Während der Laufzeit weicht der Kurs vieler Zertifikate von der erwartbaren Entwicklung des Basiswertes ab.

4. Gute Rendite-Risiko-Relation
Investoren können ein Zertifikat auch anhand von Risikoklassen auswählen. Der Deutsche Derivateverband (DDV) empfiehlt dazu die Maßzahl "Value-at-Risk". Sie gibt das Verlustrisiko einer Geldanlage anhand historischer Schwankungen wieder. Je niedriger diese Maßzahl, desto größer das Gewinnpotenzial eines Zertifikats. Einen Überblick über die Risikoklassen bieten Ratingagenturen wie die European Derivatives Group (EDG), das Institut für Zertifikateanalyse (IZA), Scope, Feri Euro-Rating Services und Morningstar.

5. Gegen Verluste absichern
Um Anleger vor Kursverlusten zu schützen, leisten Garantiezertifikate eine Mindestauszahlung am Laufzeitende. Etwas Schutz vor Kursverlusten bieten auch Discountzertifikate; sie werden mit einem Preisabschlag (Discount) auf den Basiswert gehandelt. Sinkt der Kurs der Basis bis zum Laufzeitende nicht mehr als der Discount, zahlt das Zertifikat eine positive Wertentwicklung aus.

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