Tagesgeld hat mehr zu bieten
Zertifikate auf Inflation sind Depotleichen

Die noch im vergangenen Jahr sehr beliebten Inflationszertifikate verkommen immer mehr zu Depotleichen. Und Emittenten legen kaum noch entsprechende Zertifikate auf, denn die Teuerung in Europa ist mittlerweile auf einem Tiefpunkt angelangt.

FRANKFURT. Die Zertifikate sind eine reine Wette auf steigende Inflationsraten. Die Produkte sind meist an den harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI ex Tobacco) gekoppelt. Im ersten Jahr bieten sie einen festen Zins (Kupon), etwa von fünf Prozent. Im zweiten und dritten Jahr ist der Kupon abhängig von der Inflationsrate. Liegt die wie aktuell bei einem Prozent auf Jahressicht, bekommen die Zertifikate-Anleger nicht mehr als zwei Prozent Rendite. Da bietet Tagesgeld immer noch mehr.

Und es dürfte noch schlimmer kommen: Bis zur Jahresmitte erwarten Experten sogar negative Inflationsraten in Europa. "Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einer durchschnittlichen Teuerung von 0,7 Prozent", sagt Thomas Amend, Volkswirt bei HSBC Trinkaus.

Mit einer steigenden Inflation rechnet Volkswirt Thorsten Weinelt von Unicredit aufgrund der hohen Verschuldung höchstens in den USA. "Allerdings verfügt die amerikanische Notenbank über genügend Instrumente, die Überschussliquidität wieder einzusammeln", sagt er.

Zertifikatebesitzer, deren Kuponzahlung jetzt noch nicht vom HVPI abhängt, haben unter Umständen Glück. Die Inflationsschutz-Anleihe 2008/2011 von der Deutschen Bank zum Beispiel orientiert sich erst ab August 2009 an der positiven jährlichen Kursenwicklung der Verbraucherpreise in Deutschland. Bis August des laufenden Jahres zahlt sie fixe fünf Prozent Kupon aus. "Wir berechnen die Kupons an den Forwardraten der Inflation; das sind immer nur Schätzungen", sagt Holger Bosse von X-Markets.

Neben der Deutschen Bank emittierte auch Morgan Stanley bis September 2008 zahlreiche Inflationsanleihen: Insgesamt acht Papiere mit unterschiedlichen Laufzeiten hat die US-Bank für ihre deutsche Kundschaft im Angebot. Allerdings stellt das Institut für keines der Papiere mehr Briefkurse. Denn auch bei Morgan Stanley sind die Inflationszertifikate ausverkauft. Und Neuemissionen bleiben vorerst aus. Die bereits börslich gehandelten Zertifikate allerdings versprechen nach einem festen Kupon von 5,2 Prozent ab Mitte Mai 2009 eine 200-prozentige Partizipation am HVPI-ex-Tobacco. Die Morgan-Stanley-Inflationsanleihe läuft noch zwei Jahre lang bis Mai 2011.

"Das Kundeninteresse an Inflationszertifikaten ist gering", sagt Holger Bosse. "Die Produkte eignen sich auch nicht für den typischen Zertifikatekunden, denn sie sind sehr beratungsintensiv", sagt er. Die Papiere kauft deshalb überwiegend die Schalterkundschaft.

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