Tausende Neuemissionen: Zertifikate-Flut nimmt kein Ende

Tausende Neuemissionen
Zertifikate-Flut nimmt kein Ende

Die Produktflut am Zertifikatemarkt ist zuletzt ein wenig abgeebbt. Die ist aber nur eine saisonal bedingte Momentaufnahme. Experten erwarten weiteres massives Wachstum. 2013 könnte die Millionengrenze fallen - mit schwerwiegenden Folgen.
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FrankfurtEin zunehmend starkes Wachstum beim Zertifikateangebot in Deutschland könnte nach Ansicht des Finanzanalysehauses Scope zu Problemen mit den Handelssystemen führen. „In diesem Jahr wird die Zahl der Zertifikate und Hebelprodukte auf rund 700.000 anwachsen“, sagte Sasa Perovic, der die Zertifikateanalyse bei Scope leitet, am Montag in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. 2013 könne der Markt die Millionengrenze überschreiten. „Diese Masse könnte die Infrastruktur der Börsen, Skontroführer und Onlinebroker stark belasten.“

Ende Dezember 2010 waren in Deutschland 525.888 Zertifikate und Hebelprodukte auf dem Markt, wie eine Statistik des Deutschen Derivate Verbandes (DDV) zeigt. Damit ist das Angebot gegenüber dem Allzeithoch von 548.784 Produkten Ende November zwar zurückgegangen. „Das dürfte aber daran liegen, dass zum Jahresende immer besonders viele Produkte auslaufen“, sagte Perovic.

„Die steigende Anzahl an Produkten allein wird nicht das Problem darstellen“, sagte Perovic. Hinzu komme jedoch, dass die Emittenten durch verbesserte Techniken immer schneller und häufiger Preise stellen könnten. „Wenn beides zusammenkommt - mehr Produkte und immer häufigere Quotes - werden die Börsen nicht in der Lage sein, das aufzunehmen.“ Bereits heute liefen für einige Produkte jeweils mehrere Dutzend Kurse pro Sekunde ein.

Der Analyst geht davon aus, dass die Börsen die Anzahl der Quotierungen in absehbarer Zukunft begrenzen werden. Denkbar ist Perovic zufolge auch, dass die Börsen die Produkt- und Kursflut über Gebühren eindämmen werden. „Sie könnten die Listinggebühren generell erhöhen oder für wenig gehandelte Produkte Extragebühren erheben oder diese Ladenhüter delisten.“

Die Emissionstätigkeit am deutschen Derivatemarkt hat sich zuletzt weiter verstärkt. Im Dezember brachten die Emittenten 88.233 neue Zertifikate, Optionsscheine und Knock-Outs auf den Markt, wie die DDV-Statistik zeigt. Das waren gut 7000 Produkte mehr als im November. „Da finden Verteilungskämpfe zwischen den Emittenten statt“, sagte Perovic. „Wenn ein Emittent anfängt, beim Produktangebot nachzulegen, haben die anderen Angst, dass er ihnen etwas vom Kuchen wegnimmt - und ziehen nach.“ Die Finanzkrise habe den Emittenten gezeigt, dass breit aufgestellte Produktpaletten besser seien als nur ausgewählte Strukturen zu emittieren. Denn nicht jede Struktur ist in jedem Marktumfeld gleichermaßen geeignet und gefragt.

In den vergangenen Monaten haben die meisten Emittenten am deutschen Markt ihre Paletten erweitert, insbesondere in Bezug auf Massenprodukte wie Bonus- und Discountzertifikate und Hebelprodukte. Zudem haben neue Emittenten wie Macquarie Oppenheim, EFG Financial Products Europe und Interactive Brokers Financial Products den Markt betreten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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