Teure Absicherung
Volatilität und Zinstief belasten Garantiezertifikate

Garantiezertifikate versprechen eine sichere Rendite. Doch die Kapitalgarantie hat ihren Preis. Gerade in stark schwankenden Märkten verteuert sich die Absicherung für Anleger. Für Neuemissionen wirkt zudem das niedrige Zinsniveau belastend. Andererseits macht dies gebrauchte Zertifikate interessanter.

FRANKFURT. Von Garantiezertifikaten spricht Lars Brandau vom Deutschen Derivate Verband (DDV) nur ungern. "Wir sagen Kapitalschutz-Zertifikate", sagt der Sprecher des DDV. Das sei juristisch einwandfrei. Und es verspricht nichts, was die Produkte nicht halten können. Denn sie sollen einen Verlust verhindern und Rendite ermöglichen. Daher sind Garantiestrukturen auf Aktienindizes gerade bei stark schwankenden Kursen beliebt. Der Umsatz mit Kapitalschutz-Zertifikaten stieg im vergangenen März besonders stark, meldet der DDV in seiner neuesten Börsenstatistik. Das Handelsvolumen der Papiere wuchs um 18,3 Prozent auf 378 Mio. Euro. "Garantieprodukte sind derzeit die gefragtesten Zertifikate", sagt auch Peter Schirmbeck, Leiter des Privatkundengeschäfts von der DZ Bank. Sein Institut vertrieb im ersten Quartal 2009 Zertifikate im Wert von einer Mrd. Euro über die Filialen der Volks- und Raiffeisenbanken, 95 Prozent sind Garantieprodukte.

Mit einem Garantiezertifikat kaufen Investoren eigentlich zwei Papiere: Eine festverzinsliche Nullkupon-Anleihe mit einem Nennwert in der Höhe des Garantiebetrages sorgt für einen fixen Kupon bis zum Laufzeitende. Zusätzlich verschafft eine sogennante Calloption das Recht, einen Basiswert in der Zukunft zu einem vorher vereinbarten Kurs zu kaufen. Dieser entspricht in der Regel der Höhe des Garantieniveaus des Zertifikates. Erst wenn die Basis (zum Beispiel der Dax) wieder über das Garantieniveau steigt, ist die Calloption wieder im Geld und auch der Wert des Zertifikats steigt.

Verluste begrenzen können Garantiezertifikate zweifellos. An einem Aufwärtstrend an den Börsen mitverdienen - das bieten sie jedoch nicht in jedem Fall. Denn ihre Absicherung verteuert sich mit den stark schwankenden Märkten. "Die Aktienpartizipation ist auf null gefallen", sagt Jörg Kukies von Goldman Sachs. Ein Großteil der Garantiezertifikate in Deutschland nehmen über Calloptionen an der Wertentwicklung der jeweiligen Basiswerte teil. Diese sind aufgrund der hohen Volatiliät des Marktes vergleichsweise teuer. Das verschlechtert besonders die Konditionen der jetzt aufgelegten, neuen Garantiezertifikate.

Allerdings spielt auch das Zinsniveau eine Rolle für den aktuellen Wert der Garantieprodukte. Derzeit liegt der europäische Leitzins auf niedrigem Niveau, wodurch die Anleihekomponente im Zertifikat an Wert gewinnt. "Seit August 2008 ist das Zinsniveau in Europa deutlich gefallen, dies hat einen wertsteigernden Effekt auf Anleihepreise und damit auch auf die Kurse von Garantiezertifikaten", sagt Björn Döhrer von der European Derivatives Group (EDG).

Die börslich gehandelten Garantiezertifikate notieren derzeit mit teils hohen Abschlägen. So kosten zwei WestLB-Produkte auf den Euro-Stoxx-50 noch rund 88 Euro - ein Abschlag von rund zehn Euro bei drei Jahren Restlaufzeit. "Natürlich zahlen wir die Scheine am Laufzeitende zu 100 Euro zurück", sagt Marc Pawlak von der WestLB. Ein solches gebrauchtes Zertifikat bietet rund drei Prozent sichere Jahresrendite - inklusive einer Teilhabe an Kursgewinnen.

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