Thema „Nachhaltigkeit“
Banken surfen geschickt auf der neuen Welle

Fondsgesellschaften und Zertifikateanbieter greifen das Megathema Klimawandel dankbar auf. Sie nutzen den neuen Trend, um neue Produkte auf den Markt zu bringen. „Höchste Zeit für eine Klima-Anlage“, wirbt etwa Deutschlands führendes Fondshaus DWS in einer breit angelegten Anzeigenkampagne. Allerdings ist die Bezeichnung „nachhaltig" längst keine Garantie dafür, dass Anleger wirklich nur in umweltfreundliche Unternehmen investieren.

FRANKFURT. Die Konzepte, die speziell auf den Klimawandel abstellen, haben den Nachteil, dass sie das breite Spektrum, die das Thema bietet, nur unzureichend nutzen. Anders als bei den meisten Modethemen hat die Fondsbranche in Sachen Klima im Vergleich zu Zertifikatehäusern die Nase vorn. Denn Investmentfonds, die in Zukunftstechnologien und energieeffizient arbeitende Unternehmen investieren, sind schon seit Jahren auf dem Markt. Vor allem Schweizer Anbieter wie Pictet, Sarasin oder SAM, aber auch die belgische Dexia haben sich das Thema „Nachhaltigkeit“ früh auf die Fahnen geschrieben.

Das oft zitierte Vorurteil, dass Anleger mit Öko-Produkten zwar das Gewissen beruhigen, aber auf Rendite verzichten, haben inzwischen diverse Studien widerlegt. Im Schnitt steigerten die mehr als 100 im deutschsprachigen Raum angebotenen Nachhaltigkeitsfonds ihren Wert seit 2004 um jährlich 13 Prozent, der marktbreite Aktienindex MSCI World erwirtschaftete mit zwölf Prozent plus etwas weniger.

Trotzdem ist das Nachhaltigkeitskonzept umstritten – insbesondere wegen der unklaren Definition des Begriffs. Denn je nach Anbieter fließen nicht nur ökologische, sondern auch ethische und soziale Kriterien in die Analyse mit ein. Zudem sind die Anlagekriterien der Fonds sehr unterschiedlich. Einige Gesellschaften schließen Firmen aus energieintensiven Bereichen wie Automobil oder Chemie völlig aus. Andere setzen auf den Best-in-Class-Ansatz. Demnach gilt etwa ein Autohersteller als nachhaltig, wenn er schadstoffärmere Wagen baut als die Konkurrenz.

Trotz der Bedenken haben sich auch einige Zertifikate-Emittenten den Ansatz zu Eigen gemacht. So hat die Hypo-Vereinsbank (HVB) bereits mehrere Papiere auf einen gemeinsam mit der Ratingagentur Oekom Research berechneten Nachhaltigkeitsindex auf den Markt gebracht, die durch die aktuelle Debatte Rückenwind erhalten: „Das Nachhaltigkeits-Thema passt gut in die Klimawandel-Diskussion, geht aber weit darüber hinaus“, begründet Barbara Lutzenberger, Zertifikate-Expertin der HVB, die Wahl dieses Ansatzes. Der Großteil der neuen Produkte bevorzugt den aktuelleren Begriff Klimawandel bzw. Klimaschutz. „Seit das Thema breiter in den Medien vertreten ist, legen die Gesellschaften verstärkt Klima-Fonds auf“, hat Sasa Perovic, Analyst beim Fondsratinghaus Feri, beobachtet – ein Ergebnis, das sich eins zu eins auf den Zertifikatemarkt übertragen lässt.

Das Angebot an Aktien, die für Klimaprodukte in Frage kommen, ist groß. Weltweit gebe es ungefähr 1 000 relevante Unternehmen aller Größen, deren Tätigkeit mit dem Thema verknüpft sei, schätzt Nicholas Huber, Fondsmanager bei der DWS. Das Spektrum reicht von Rußfilter-Produzenten über Abfallmanager bis hin zu Baufirmen, die Deiche in den Niederlanden erstellen. Allerdings beschränken sich viele Produktmanager auf den Bereich erneuerbare Energien sowie das Thema Wasserversorgung und -aufbereitung. Unternehmen wie die Solaranbieter Solarworld und Q-Cells, der dänische Windkraft-Weltmarktführer Vestas oder der französische Versorger Veolia sind allgegenwärtig. Für beide Gebiete gibt es jedoch schon eine Fülle von Anlageprodukten. Und zumindest die Aktien der Anbieter erneuerbarer Energien wie Solar- oder Windkraft sind in den vergangenen Jahren schon sehr gut gelaufen.

In der Kreativität der Produktmanager liegt daher ein entscheidendes Kriterium für die Unterscheidung der einzelnen Klimapapiere. Anbieter, die über ein breites Research verfügen und in viele Branchen investieren, bieten Anlegern einen klaren Mehrwert.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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