Tool der Woche
Mit Vollkasko an die Börse

Angesichts der Minizinsen ist mit Sparbuch, Tages- oder Festgeld nichts mehr zu holen. Doch mit speziellen Wertpapieren können sich auch risikoscheue Anleger auf die Aktienmärkte wagen.
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DüsseldorfSeit mehreren Jahren kennen die Aktienmärkte nur eine Richtung: nach oben. Um mehr als 50 Prozent sind die Blue Chips der Euro-Zone seit dem Sommer 2012 bereits nach oben geschnellt. Damals versprach Mario Draghi, die Gemeinschaftswährung um jeden Preis zu retten. Investoren glaubten dem Chef der Europäischen Zentralbank und trieben den Wert europäischer Aktien um insgesamt 2,1 Billionen Euro nach oben.

Die seit zwei Jahren anhaltende Rally am europäischen Aktienmarkt hat die Bewertungen auf Niveaus getrieben, die seit einem Jahrzehnt nicht mehr beobachtet wurden. Die Aktien im Stoxx Europe 600 Index notieren beim 17,5-fachen des Gewinns und damit so hoch wie zuletzt 2002, belegen Daten der Wirtschaftsnachrichten-Agentur Bloomberg. In den vergangenen vier Wochen sind aber die Kurse von überdurchschnittlich hoch bewerteten Unternehmen wie der britischen Baumarktkette Kingfisher und des französischen Stahlherstellers Vallourec eingebrochen, nachdem diese enttäuschende Zahlen vorgelegt hatten.

Da die Unternehmensgewinne zuletzt nicht Schritt halten konnten mit den Aktienkursen, steigt die Gefahr für Rückschläge. Gerade risikoscheue Anleger stehen daher vor einem Dilemma: Aktien sind nicht mehr billig - mit festverzinslichen Papieren ist aber auch kaum noch etwas zu holen. Zumal die letzte Zinssenkung der Europäischen Zentralbank sich auch auf Zinskonten auswirkt: Dieser Trend geht bei vielen Instituten sogar in Richtung Nulllinie, wie eine Auswertung der FMH Finanzberatung für Handelsblatt Online ergab.

Eine Alternative zu herkömmlichen Aktieninvestments stellen sogenannte Kapitalschutzzertifikate in Aussicht. Jetzt bieten die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW, WKN LB0XUV) und die Deutsche Bank (WKN DB9Z8G) jeweils eine neue Variante an. Die Funktionsweise: Käufer sollen an der Wertentwicklung des Euro Stoxx 50 teilhaben und zum Ende der Laufzeit ihren Einsatz fast vollständig zurückerhalten. Selbst bei einem Börsencrash beschränkt sich der Verlust auf Transaktions- und Ausgabegebühren.

Dass sich so eine Anlage mit „Airbag“ lohnen kann, zeigt der Chart eines vergleichbaren Produkts, das schon länger auf dem Markt ist und seine Feuertaufe hinter sich hat (WKN: SG1LBU). Den Euro-Stoxx-Absturz Mitte 2011 um knapp 30 Prozent überstand das Zertifikat, das 2010 aufgelegt wurde und keine Gewinnbegrenzung hat, nahezu spurlos (siehe Grafik). Derzeit hat das strukturierte Produkt der französischen Großbank Société Générale nur eine geringere Performance als der europäische Auswahlindex selbst.

Diesen Schutz gibt es aber nicht umsonst: Zum einen sind die Ertragschancen bei den aktuellen Angeboten beschnitten. Denn die Entwicklung des europäischen Börsenbarometers wird von den beiden Zertifikaten der LBBW und der Deutschen Bank nicht unbegrenzt nachvollzogen, sondern nur bis zu einer Obergrenze. So münzt das LBBW-Papier nur Indexanstiege von insgesamt bis zu 144 Prozent des Startwerts in Depotgewinne um, gerechnet für die gesamte Laufzeit.

Das Zertifikat der Deutschen Bank profitiert gar nur bis zu einem Plus von 123 Prozent. So können Anleger bestenfalls – unter Abzug des Aufgabeaufschlags – eine Rendite von umgerechnet jährlich 4,4 Prozent beziehungsweise 3,4 Prozent erzielen. Nicht sonderlich viel, aber zumindest deutlich über der aktuellen Teuerungsrate in der Euro-Zone von einem halben Prozentpunkt. Es gilt natürlich: Kein Gewinn bei fallenden Kursen. Dann ist auch der Ausgabeaufschlag von 1,5 Prozent weg.

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