Transparente Derivate
Die Finanzbranche regelt alles neu

Verbraucherschützer und Emittenten sind sich einig: Derivate müssen transparenter werden. Nur wenige Privatanleger trauen den Produkten nach der Krise noch. Auf die Anlagetipps ihrer Bankberater hören die meisten schon gar nicht mehr. Neue Regeln sollen das Vertrauen wieder herstellen.

FRANKFURT. Viele strukturierte Produkte sind nicht von vornherein ungeeignet für private Depots. Sie eignen sich aber zumeist nur für Investoren mit definierten Strategien. Diese Anleger tragen die Verantwortung für ihre Geldanlage selbst. Und sie brauchen keinen Bankberater, der ihnen sagt, welche Produkte ihrem Rendite-Risiko-Profil entsprechen. Denn sie kaufen Anlageprodukte gleich an der Börse - für Papiere mit Zeichnungsfrist interessieren sich die Selbstentscheider meist nicht. Trotzdem fordern Banken, Verbände und Politiker für die gesamte Zertifikatebranche neue Regeln. Sie wollen neue Vertriebsstrukturen schaffen und die Finanzberatung optimieren. Die Zertifikateemittenten kommen einigen der Forderungen bereits nach.

Denn wichtig für alle Typen von Zertifikateanlegern sind kurze und verständliche Informationen. Mehr und detailliertere Informationen sind gerade nicht gefragt. "Stattdessen sollen spezifische Produktinformationen zur Verfügung stehen, die knapp und verständlich über die Funktion und die Kosten einer Anlage informieren", sagt Franz-Josef Arndt, Geschäftsführer der Bankenvereinigung Nordrhein-Westfalen. "Eine eher plakative Kennzeichnung wie eine Ampel dürfte aber nur einen begrenzten Mehrwert haben."

Zertifikateratings, zum Beispiel von Scope, der European Derivatives Group (EDG), vom Institut für Zertifikateanalyse (IZA) oder von Feri Euro-Rating Services sollen Abhilfe schaffen. Die Angebote sind größtenteils kostenlos und bewerten nicht nur das Rendite-Risiko-Profil eines Anlagezertifikats, sondern auch qualitative Faktoren. Die Experten benoten auch die veröffentlichten Texte zu den Produkten und bewerten die Kundenhotlines der jeweiligen Emittenten. Zusammengeführt und veröffentlicht werden die Ratings unter anderem vom Deutschen Derivate Verband (DDV). Völlig unabhängig von den emittierenden Banken sind die Ratings jedoch nicht. Denn solange sie kostenlos und frei verfügbar sind, sind die Institute auf die finanzielle Unterstützung der Zertifikatebranche angewiesen.

Auch auf europäischer Ebene bemühen sich Politiker und Verbraucherschützer um mehr Transparenz im Finanzsektor. Die Europäische Kommission entwickelt derzeit ein Regelwerk, das ein einheitliches Maß an Veröffentlichungspflichten und Vertriebsregeln vorsieht. Und die Experten gehen sogar noch ein Schritt weiter: Sie wollen die Anlageprodukte auch untereinander besser vergleichbar machen. "Unser Ziel ist es, für Investmentfonds, Zertifikate, fondsgebundene Lebensversicherungen und andere Produkte für Privatanleger eine erhöhte Transparenz zu schaffen und die Vergleichbarkeit zu verbessern", sagt Manfred Zöllmer, Bundestags-Mitglied und stellvertretender Vorsitzender des Verbraucherschutz-Ausschusses. Konkrete Umsetzungsvorschläge sollen noch bis Ende 2009 erfolgen.

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