Trend am Zertifikatemarkt
Garantiezertifikate 2.0

Hohe Zinssätze haben in den letzten Monaten einen wahren Boom attraktiver Garantie-Zertifikate ausgelöst. Volle Partizipation bei 100 Prozent Absicherung – da scheinen Indexzertifikate endgültig abgemeldet. Wer nicht bis zum Ende der Laufzeit halten will, könnte sich dabei allerdings verrechnen.

DÜSSELDORF. Der August war der Monat der Garantiezertifikate. Reihenweise schoben die Institute Produkte in den Markt, die noch kurz zuvor fast zu schön erschienen wären, um wahr zu sein. So schickte zum Beispiel HSBC Trinkaus einen Tracker ins Rennen, der in Form des Euro Stoxx 50 (Kurs) die europäischen Bluechips abbildet (WKN: TB0XHC). Das Besondere an dem Produkt: Eine 100-prozentige Kapitalgarantie am Ende der Laufzeit wird kombiniert mit einer vollständigen Partizipation am realen Indexpreis – ohne Abschläge oder Durchschnittsbildung.

Noch einen Schritt weiter ging Goldman Sachs mit seinem „Garantie-Bonus-Zertifikat“ auf denselben Index (WKN: GS0BUB). Hier kombiniert der Emittent die 100-prozentige Sicherheit sogar mit einer Bonuskonstruktion: Erreicht der Index während der sechsjährigen Laufzeit nicht das Sicherungsniveau von 70 Prozent, gibt es 120 Prozent Auszahlung garantiert. Sonst sinkt der Rückzahlungsbetrag auf 100 Prozent – jedoch niemals darunter.

Diese beiden Papiere stehen nur beispielhaft für eine ganze Klasse „neuer“ Garantieprodukte, bei denen die Banken mit ungeahnt günstigen Konditionen und bisher kaum gekannter Transparenz um das Geld der Anleger werben. „Endlich konnten wir wieder Garantieprodukte bringen, die ohne Durchschnittsbildung eine hohe Partizipation ermöglichen“, kommentiert Dirk Heß von Goldman Sachs die Entwicklung. Sein Geldhaus hat in den vergangenen Monaten zahlreiche Zertifikate emittiert, die volle Partizipation an den Kursen von Einzelaktien ermöglichen und trotzdem fast ausnahmslos 100 Prozent Kapitalgarantie versprechen.

Dass die Institute sich diese attraktiven Konditionen anbieten können – und es auch tun – haben Anleger den deutlich gestiegenen Zinssätzen zu verdanken. Ihren Vorläufigen Höhepunkt erreichte die Zinsentwicklung im Juli: 4,7 Prozent sichere Jahresrendite bei einer Laufzeit von fünf Jahren. Bei diesem Zinssatz zahlt ein Institut lediglich 79 Euro, um zum Ausschüttungszeitpunkt in fünf Jahren 100 Euro zu garantieren. Die restlichen 21 Euro und die Dividenden des Underlyings können also dazu genutzt werden, um das Auszahlungsprofil des Zertifikats zu verbessern.

„Wenn der Emittent 21 Euro plus Dividenden zur Verfügung hat, um das Auszahlungsprofil zu gestalten, braucht er für eine vollständige Partizipation noch nicht mal einen Hebel von fünf“, erläutert Niels Nauhauser, Finanzexperte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Das ist ohne weiteres möglich. Trotzdem wird auch ein Papier mit 100 Prozent Partizipation sich während der Laufzeit nicht unbedingt wie ein Indexzertifikat verhalten.“

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