Trotz vielversprechender Idee
Alpha-Zertifikate – das große Missverständnis

Der Begriff "Alpha-Zertifikat" hat keinen guten Klang mehr. Die meisten Produkte hielten nicht das, was sie versprachen: nämlich Gewinne, auch bei sinkenden Aktienkursen. Stattdessen verloren die meisten Alpha-Zertifikate an Wert, zur Verwunderung vieler Anleger sowohl bei sinkenden als auch bei steigenden Aktienkursen.
  • 0

Heute reagieren die Emittenten mindestens so gereizt auf den Begriff "Alpha" wie die enttäuschten Investoren. Dabei hätten Alpha-Zertifikate ein Renner werden können. Denn die eigentliche Idee klingt vielversprechend. Alpha-Zertifikate werden als "marktneutrale" Produkte verkauft. Es soll also nicht darauf ankommen, ob die Kurse eines bestimmten Basiswertes absolut steigen oder fallen, sondern ob sie relativ im Vergleich zu einer Benchmark - also einem zweiten Basiswert - besser oder schlechter abschneiden. Entwickelt sich der Basiswert besser als die Benchmark, steigt der Wert des Zertifikats, und zwar unabhängig davon, ob die Kurse der beiden Vergleichswerte jeweils gestiegen oder gefallen sind. Schneidet der Basiswert im direkten Vergleich zur Benchmark dagegen schlechter ab, verliert das Zertifikat an Wert. Und zwar nur dann. So weit die Theorie. In der Praxis sieht es jedoch oft anders aus. Dafür gibt es unter anderem zwei wichtige Gründe.

Grund eins: verwirrende Basiswerte. Als Basiswerte werden bei vielen Produkten ein Dividendenindex und ein Standardindex ins Rennen geschickt. So tritt zum Beispiel der DivDax gegen den Dax oder der Euro Stoxx Select Dividend 30 gegen den Euro Stoxx 50 an.

Schneidet der Dividenden-Index besser ab als der Standardindex, gewinnt das entsprechende Zertifikat an Wert - selbst wenn beide Indizes an Wert verlieren sollten. Schließlich zählt nur die relative Performance der beiden Basiswerte zueinander.

Da dividendenstarke Titel erfahrungsgemäß besser performen als der Durchschnitt, ist diese Auswahl solcher Paare also grundsätzlich nicht schlecht. Die Details der Berechnung können jedoch verwirren: "Bei der genauen Ausgestaltung dieser Zertifikate muss der Anleger darauf achten, ob die verwendeten Indizes Kurs- oder Performance-Indizes sind", erklärt Lutz Johanning, Professor für empirische Kapitalmarktforschung an der WHUin Vallendar.

"Bei reinen Kurs-Indizes werden Dividenden im Rahmen der Indexberechnung nicht berücksichtigt. Da der Unterschied zu Performance-Indizes durchaus bis zu drei Prozent betragen kann, sind Dividendenindizes, die nur auf Kursbasis berechnet werden, gegenüber der Standard-Benchmark dann im Nachteil, wenn dies nicht beim Pricing der Zertifikate berücksichtigt und somit ausgeglichen wird", so Johanning.

Seite 1:

Alpha-Zertifikate – das große Missverständnis

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Trotz vielversprechender Idee: Alpha-Zertifikate – das große Missverständnis"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%