Unübersichtliches Angebot erschwert Auswahl
Kapitalschutz bleibt für Investoren sehr wichtig

Eines der populärsten Anlageprodukte des vergangenen Jahres waren Anleihen und Zertifikate, die in Abhängigkeit von bestimmten Marktereignissen deutlich über dem aktuellen Zinsniveau liegende Kupons auszahlten. Der Markt für diese kapitalgarantierten, strukturierten Produkte soll auch im laufenden Jahr kräftig wachsen.

Die Idee hinter Produkten wie der Nikolaus-Anleihe der Deutschen Bank ist denkbar einfach: Sie bieten eine Kapitalgarantie sowie die Chance auf Kupons, die über denen von Pfandbriefen oder Bundesanleihen liegen. Diese Chance auf höhere Kupons lässt sich jedoch auf sehr unterschiedliche Art und Weise erreichen. So ist das Produktangebot mittlerweile sehr groß und bisweilen unübersichtlich; im Einzelnen stecken teilweise sehr komplexe derivative Strukturen hinter den Kupons. Grundsätzlich gilt bei Produkten mit Kapitalgarantie, dass dem Anleger auf jeden Fall mindestens der Emissionspreis ohne eventuellen Ausgabeaufschlag am Ende der Laufzeit ausbezahlt wird.

Die unterschiedlichen Produkte lassen sich anhand einiger genereller Faktoren kategorisieren. Das schränkt die Auswahl ein und erleichtert das Finden des individuell passenden Produktes. So kann der Anleger schauen, wann Kupons bezahlt werden, und ob es sich um fixe oder nur variable Kupons oder eine Kombination aus beidem handelt. Auch ein genauer Blick auf die zeitliche Abfolge der Auszahlung ist lohnend.

Die Gestaltung der Kupons kann zum Beispiel so aussehen: Die ersten fixen Kupons liegen über Marktniveau (zum Beispiel 4 mal 5 % p.a.), in den folgenden Jahren dann aber bei einen Minimum-Kupon von Null. Gleichwohl verfügt das Produkt über die Möglichkeit, abhängig vom Markt einen über dem Zinsniveau liegenden Kupon zu erzielen, wie dies bei der Nikolaus-Anleihe der Fall ist.

Der Minimumzins kann aber auch unterhalb des aktuellen Marktniveaus liegen, etwa 1,5 % p.a. Dieser Zins kann bei Swing-Anleihen aber ebenfalls jedes Jahr abhängig von der Marktentwicklung das normale Zinsniveau übertreffen. Express-Anleihen hingegen verfügen nicht über fixe oder Minimumkupons. Ihr Kupon ist vielmehr in jedem Jahr abhängig von der Marktentwicklung; auch er kann höher als das Zinsniveau ausfallen.

Marktverständnis auch hier wichtig

Grundsätzlich gilt bei diesen Finanzprodukten: Je häufiger und je höher die Kupons sind, desto risikoärmer ist das gesamte Konstrukt. Gleichzeitig bedeutet dies natürlich eine geringere Chance auf zusätzliche, hohe Erträge. Im Umkehrschluss heißt das aber auch: Je kleiner die garantierten Kupons, desto größer die Chance auf hohe Erträge.

Darüber hinaus sollten Anleger beachten, von welchen Ereignissen die Kupons abhängen. Dazu sollte ein Verständnis für den Markt und die herrschenden Marktmechanismen vorhanden sein, dem die Produkte unterliegen. Beispielsweise kann ein Kupon besonders hoch sein, wenn einzelne Aktien oder Aktienmärkte sich stark bewegen, also steigen oder fallen.

Hohe Kupons verspricht aber auch eine veränderte Differenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen. Bei diesen aktuell am weitesten verbreiteten Typen kann der Investor also sehr einfach erkennen, ob er etwa bestimmte Bewegungen am Aktienmarkt benötigt, um einen höheren Kupon zu erreichen, oder ob die Kupons von aktuellen Zinsentwicklungen abhängig sind.

Die vorgenannten Faktoren liefern dem Anleger gutes Rüstzeug, wenn er im Vorfeld eines Investments untersucht, welcher Typ kapitalgarantierter Produkte zu seiner eigenen Marktmeinung und seiner individuellen Risikoneigung an besten passt. Darüber hinaus können Anleger bereits auf Grund dieser leicht zu ermittelten Faktoren die aktuellen Angebote klassifizieren, vergleichen und das jeweils optimale Produkt auswählt.

Stefan Armbruster ist Director der Deutschen Bank AG.

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