USA vor der Wahl: Spekulationen sind zu riskant
Bush, Kerry oder Hängepartie?

Für Spannung gesorgt ist derzeit auch an den Aktienmärkten, leider in der entgegengesetzten Richtung – zu gewinnen gibt’s kaum etwas, dafür umso mehr zu verlieren. Nachdem der Dow Jones wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 10 000 Punkten gefallen ist, der Höhenflug des Euro Stoxx 50 wie schon im Juni bei 2 850 Zählern ein jähes Ende gefunden hat und der Dax diesmal schon unterhalb des letzten zyklischen Hochs nach unten abgedreht ist, sieht die Markttechnik genauso erbärmlich aus wie das fundamentale Umfeld.

Sobald die Kurse einen Ausbruch nach oben wagen, bekommen die Marktteilnehmer kalte Füße und nehmen ihre kurzfristigen Gewinne mit. An die vielzitierte Herbst- oder Jahresendrallye scheint somit wohl kaum noch jemand zu glauben, was angesichts der Umstände auch kein Wunder ist: Die Unternehmensmeldungen der letzten zwei Wochen waren allenfalls durchwachsen, die nächsten Quartalszahlen werden in vielen Branchen trotz aller Gesundbeterei schwer vom anhaltenden Ölpreis-Anstieg gezeichnet sein, der Irak steht an der Schwelle zum Bürgerkrieg und die US-Leistungsbilanz ist mit dem Wort „tiefrot“ noch euphemistisch beschrieben.

Hinzu kommt die Präsidentschaftswahl in den USA. Zwar scheint der bei den Börsianern wohlgelittene Amtsinhaber in den Umfragen die Nase vorn zu haben, doch das will nicht viel heißen: George W. Bushs Sieg aus dem Jahr 2000 beweist, dass man wegen des auf das Niveau jedes einzelnen Bundesstaats heruntergebrochenen Mehrheitswahlrechts („The winner takes it all“) nicht zwangsläufig die Mehrheit der abgegebenen Stimmen braucht, um die meisten Wahlmänner hinter sich zu versammeln. John F. Kerry hat somit nach wie vor alle Chancen und sollte der an der Wall Street bis auf wenige prominente Ausnahmen wie George Soros oder Warren Buffett nicht sonderlich gern gesehene Herausforderer am 2. November tatsächlich die Nase vorn haben, würde der Dow Jones wohl erst einmal in die Knie gehen. Im übrigen sollte man auch ein drittes Szenario nicht ausschließen – eine Hängepartie wie vor vier Jahren, als die Weltmacht USA 36 Tage lang nicht wusste, ob der nächste Präsident George W. Bush oder Al Gore heißt. Wie real die Gefahr eines erneuten Auszählungs-Debakels ist, zeigt der Umstand, dass die Wahllokale in Florida schon zwei Wochen vor dem eigentlichen Termin geöffnet wurden. Die Verantwortlichen haben Angst vor einer weiteren Blamage, die das Image der Weltmacht USA und damit wohl auch die Aktienkurse aufs Schwerste belasten würde.

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