Vielfältige Anlageklasse
Für jede Börsenphase gewappnet

Anlageklassen, die als teuer und kompliziert gelten, werden von Privatanlegern oft gemieden. Allerdings bieten solche Produktgruppen auch Chancen und erfreuen sich dauernder Beliebtheit.
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FrankfurtKompliziert, teuer - und gefährlich. Das waren nach der Pleite von Lehman Brothers im Herbst 2008 noch die freundlichsten Adjektive für Zertifikate. Weniger wohlwollende Bezeichnungen reichten von „Anlegernepp“ bis „Teufelszeug“. Denn die Papiere der US-Investmentbank waren plötzlich nichts mehr wert. Trotz dieses Schocks verkaufen sich Zertifikate mittlerweile wieder gut.

Die Lehman-Zertifikate, die auch hierzulande vertrieben worden waren, verloren nach dem Zusammenbruch des Instituts über Nacht ihren Wert. Schlagartig wurde vielen Anlegern klar, dass solche Wertpapiere über ein Risiko verfügen, das ihnen zuvor entweder nicht bewusst war oder schlicht ignoriert wurde: Im schlimmsten Fall kann man völlig unabhängig von der Entwicklung der Aktien, Rohstoffe oder Börsenindizes, auf die man mit Zertifikaten wettet, sein eingesetztes Geld verlieren. Denn Zertifikate sind nichts anderes als spezielle Schuldverschreibungen von Banken, die in diesem Geschäft meist Emittenten genannt werden. Der Anleger gibt also der Bank ein Darlehen - und geht als Gläubiger leer aus, wenn der Kreditnehmer pleitegeht.

Der Lehman-Schock saß tief. Investoren flüchteten aus den Produkten. Das Marktvolumen der Zertifikate brach ein. Nicht wenige prophezeiten umgehend das Ende der noch jungen Branche.

Dreieinhalb Jahre später hat sich die Lage entspannt. Trotz aller Unkenrufe gibt es Zertifikate immer noch. Sie haben sich als eigene Anlageklasse etabliert. Das investierte Vermögen pendelte sich in Deutschland bei rund 100 Milliarden Euro ein. „Das ist für eine Anlageklasse, die es erst seit zwanzig Jahren gibt, sehr bemerkenswert“, sagt Lars Brandau, Geschäftsführer des Deutschen Derivate-Verbandes (DDV). Einige Anleger sind zwar auf börsennotierte Indexfonds (ETF) umgestiegen. Darauf deuten Studien wie eine aktuelle Analyse der ING Diba hin. Demnach setzen Kunden der Direktbank zunehmend auf ETFs statt auf Zertifikate. Diese Produkte gelten als sicherer, denn das Anlegergeld ist wie bei allen Fonds bei einer Pleite des Anbieters geschützt.

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