Volatilität
Schwierige Wette auf die Angst

Wenn an den Aktienmärkten die Unsicherheit wächst, ziehen Volatilitätsindizes wie der deutsche VDax oder der amerikanische Vix an. In den USA verdienen Spekulanten mit Wetten auf die Volatilität viel Geld. In Deutschland hingegen gibt es für Anleger nur wenige Möglichkeiten, auf Schwankungen zu setzen. Und die bestehenden Produkte haben ihre Tücken.
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FRANKFURT. Die Aktienkurse an den internationalen Börsen schwanken stark. Vergangene Woche erreichte der amerikanische Volatilitätsindex Vix bei knapp 8 600 Zählern ein Dreimonatshoch. In den USA schwanken die Aktienkurse im S&P500 um durchschnittlich 25 Prozent. In Deutschland steht der VDax bei rund 26 Punkten. Das entspricht einer Schwankungsbreite des Dax von 26 Prozent in den vergangenen 30 Tagen.

In den USA verdienen die Spekulanten mit dem Vix vor allem kurzfristig viel Geld. Und sie wetten nicht nur auf die künftige Entwicklung des Indexes, sondern nutzen den Schwankungsindikator auch zur temporären Absicherung von langfristigen Aktienpositionen. Bei den deutschen Investoren weckt der VDax hingegen nur wenig Anlegerinteresse. Das liegt auch an den verfügbaren Produkten auf den VDax, sagen Experten. Denn mit Anlage- und Hebelzertifikaten auf Schwankungen der europäischen Börsen konnten hiesige Spekulanten in der Vergangenheit kaum Rendite erzielen.

"Bei den reinen Volatilitätsprodukten auf dem deutschen Markt ist die Konfusion groß", sagt Jörg Kukies von Goldman Sachs. Denn für die Zertifikate auf den VDax müssen die Emittenten immer Futures - börslich gehandelte Terminkontrakte - handeln. Futures verursachen regelmäßig Rollverluste, denn sie müssen nach einer bestimmten Laufzeit erneuert werden. Steigt der Schwankungsindex, kostet der neue Futures-Kontrakt mehr als sein Vorgänger. Wegen der immer teureren Futures gehen so mögliche Rendite verloren.

Der Bedarf an einfachen Volatilitätspapieren ist groß. Das Angebot für private Anleger ist jedoch klein. Nur vier Zertifikate auf den VStoxx notieren an den deutschen Börsen. Die Eurex, Europas Terminbörse, brachte im Juni 2009 Mini-Futures auf den europäischen Schwankungsindex heraus. Mit den neuen Hebelpapieren können Anleger auf einen steigenden oder fallenden Index setzen.

Doch noch ist der Umsatz in den Produkten eher gering. Erst wenn die Liquidität in den VStoxx-Mini-Futures steigt, will die Eurex auch Optionen auf den europäischen Schwankungsindex emittieren. Die eignen sich eher als Mini-Futures zur Kursabsicherung in stark schwankenden Märkten. Die Optionen auf den VStoxx können das Anlegerproblem jedoch nicht lösen. Denn auch der europäische Schwankungsindex basiert auf Futures-Kontrakten und kann die aktuelle Volatilität eines Marktes immer nur für die Laufzeit eines solchen Kontraktes darstellen.

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